»Weil die Welt komplex ist, fehlen uns immer Informationen. Weil Informationen fehlen, sind wir immer unsicher.«   Niklas Luhmann

Verortung mit der K-i-E Theorie

Lineare Kausalketten reichen nicht aus

Niklas Luhmann, der bedeutendste deutschsprachige Vertreter der soziologischen Systemtheorie, beschreibt ein Phänomen sehr präzise. Der Satz hört sich, ohne tiefere Betrachtung, irgendwie richtig an. In der Welt, wie wir sie bisher sehen und erklären, was gleichzusetzen mit Denken ist, mag das Gefühl der Unsicherheit zutreffen.

Luhmanns Zitat ist eine Kausalkette, die aufeinander aufbaut.

  • Die Welt ist komplex. >Weil die Welt komplex ist, fehlen uns immer Informationen. Das Adverb „immer“ suggeriert den zwingenden Rückschluss, dass die Welt immer komplex sei.
  • Es fehlen Informationen à deshalb sind wir uns unsicher. > Auch in diesem Satz verstärkt das Adverb „immer“ die Verknüpfung der fehlenden Informationen mit dem unsicheren Gefühl.

Das kohärente Weltbild

Wenn man jedoch das Zitat dekonstruiert und mit einer neuen Art des Denkens wieder zusammensetzt, ergeben sich die tatsächlichen Gründe für das unsichere Gefühl.

Das Zitat, ohne Kausalität vom Ende her betrachtet, ist stimmig:

  • Wir sind unsicher – Dieses Phänomen trifft ohne Zweifel für viele Menschen in unserer Zeit zu. .
  • Es fehlen Informationen – Diese Aussage trifft für nahezu alle Themen zu.

Durch die Kausalität „Weil Informationen fehlen, sind wir unsicher“ wird die Untrennbarkeit der Entscheidungssysteme bedient, die in einem kohärenten Weltbild münden.

Abbildung: Ein kohärentes Weltbild wird erstellt

 

Begründet ist dieses Bedürfnis durch die Bauweise des menschlichen Gehirns. Tatsächlich ist das kohärente Weltbild kein Bedürfnis, sondern ein Ergebnis der Interaktion zwischen Emotionssystem und Kognitionssystem und damit den natürlichen Prozessen dieser beiden Entscheidungssysteme geschuldet.

Das Gefühl der Unsicherheit ist zuerst da und dieses ergibt zusammen mit der Aussage der fehlenden Informationen ein kohärentes Weltbild. Als einfache Strukturen werden zwei stimmige Aussagen – es fehlen Informationen und wir sind unsicher – in ein kohärentes Weltbild zusammengefügt, das sich stimmig anfügt. Gegebenenfalls müssen noch einige Gedankenzyklen durchlaufen werden, aber dann passt es.

Der Mensch ist aber in der Lage, mit seinem Kognitionssystem die Unstimmigkeit in seinem kohärenten Weltbild selbst aufzulösen. Dazu wäre ein Impuls aus dem Emotionssystem hilfreich, der signalisiert, irgendwie stimmig, aber etwas passt doch nicht.

Der weitere Fokus zielt darauf, die Kausalität zu untersuchen. Sind es die fehlenden Informationen, die unsicher machen? Für eine Rekonstruktion von Luhmanns Zitat lautet deshalb die erste Frage: Was ist Unsicherheit?

Die K-i-E Emotionstheorie erklärt, was unsicher bedeutet

Unsicherheit ist im Kern eine kognitive Umschreibung eines emotionalen Zustands, der ausgelöst wird, wenn die Sicherheit durch das Emotionssystem nicht hergestellt werden kann.

In spezialisierten Gehirnarealen, der Amygdala bei der Angst, sind die emotionalen Motive als neuronale emotionale Programme eingewoben. Neuronale emotionale Programme sind – in Anlehnung an Eric Kandel – ein Sammelbegriff für die neuronalen emotionalen Strukturen: für alle Grundemotionen (z.B. Angst), für alle zusammengesetzten Emotionen (z.B. Enttäuschung) und für alle komplexen neuronalen emotionalen Programme (z.B. automatisierte Routineabläufe), die im Emotionssystem unbewusst ausgeführt werden. Das neuronale emotionale Programm der Angst hat das emotionale Motiv „Sorge um Sicherheit“ und bewegt sich von Leichtsinn (zu wenig Angst) bis hin zur Starre (zu viel Angst). Als evolutionär erste individuelle Emotion hat die Angst eine besondere Bedeutung und kann sich in zyklischen Wirkprozessen in den dysfunktionalen Bereich verschieben.

Gelingt dem Emotionssystem es nicht, die Sicherheit herzustellen, wird das Kognitionssystem aktiviert und das Angst-Gefühl geht als Begleiteffekt einher.

Abbildung: Emotionales Motiv der Angst mit dem zugehörigen Angst-Gefühl

 

So wird das emotionale Motiv der Angst bei einem bedrohlichen Stimulus aktiviert und macht den Menschen achtsam, damit er für die Sicherheit sorgen kann. Diese geschieht meist automatisch, ohne bewusstes Zutun.

Überqueren wir eine befahrene Straße, aktiviert das Emotionssystem, ohne bewusstes Zutun, die Achtsamkeit und deaktiviert sie auch wieder, wenn wir die Straße überquert haben. Das geschieht für jemanden, der diese Situation kennt, ohne das Gefühl der Angst oder Unsicherheit. So tun alle Emotionen ihre Arbeit, ohne dass sie uns immer bewusst werden.

Emotionen haben die Eigenheit, dass sie manchmal zu viel oder zu wenig wirken. Bei zu wenig Angst sind wir leichtsinnig und würden beim Überqueren der Straße zu Tode kommen. Das Emotionssystem ist jedoch nicht in der Lage, alle Lebenssituationen zu bewältigen. Dafür hat die Evolution das bewusste Kognitionssystem hervorgebracht. Dieses wird in solchen Situationen vom Emotionssystem aktiviert.

Gehen wir zu leichtsinnig über die Straße und das Emotionssystem erkennt die Gefahr durch ein herannahendes Fahrzeug, so aktiviert es das bewusste Kognitionssystem. Wir nehmen anschließend bewusst die Situation wahr und meistern sie mit Verstand. Mit der Aktivierung geht ein unangenehmes Gefühl einher, das wir als Angst oder Angstgefühl erleben.

Bei zu viel Angst würden wir in die Starre kommen und die Aufgabe, die Straße zu überqueren, nicht bewältigen. Kommen wir jedoch im Anschluss an die Starre in die Panik, hätte das wieder den Tod zu folge. Panik ist bereits die Wirkung mehrerer Emotionen. So gesehen sind Emotionen überlebensnotwendige Wirkmechanismen der menschlichen Neurologie.

Hinter der Unsicherheit verbirgt sich vor allem die Wirkung der Emotion Angst, die bei Sorge um Sicherheit sich mit einem „leichten“ Angstgefühlt mitteilt.

Unwissenheit als Stimulus

Fehlende Information alleine, Unwissenheit, ist kein externaler und auch kein internaler Stimulus und kann somit keine Angst unmittelbar oder mittelbar im Emotionssystem auslösen. „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, vereinfacht der Volksmund.

Abbildung: Fehlende Information ist kein Stimulus

 

Das Phänomen, wie es Luhmann beschreibt, existiert unzweifelhaft. Als Ursache braucht es also einen anderen Stimulus, der vom Emotionssystem als bedrohlich identifiziert wird. Dieser Stimulus kann external eine wahrgenommene Situation, aber auch das eigene kohärente Weltbild sein. Dieses kann, als internaler Stimulus, die Angst erzeugen. Umgangssprachlich könnte man sagen, wir machen uns selbst Angst.

Wie wird aus der „fehlenden Information“ in der Kausalkette von Luhmann ein Stimulus, der Angst auszulösen vermag?

Welcher Stimulus kann die Angst auslösen?

Um einer Vorstellung näher zu kommen, schließt sich die Frage an, welche Konstruktion mit fehlenden Informationen taugt als internaler Stimulus, um Angst auszulösen?

Um zu identifizieren, was fehlt, braucht es eine Vorstellung vom Ganzen. Als Folge ist es nötig zu wissen, was bereits vorhanden ist, um anhand der Differenz abzuleiten, was fehlt.

Wenn ich weiß, dass ein Haus 800.000 € kostet und 500.000 € Kapital vorhanden sind, weiß man, dass 300.000 € fehlen. Die Annahme dabei ist bereits, dass wir die Formel kennen, um das Fehlende zu ermitteln. Mit vollständigen Informationen und der Berechnungslogik fühlt man sich sicher.

Beim Versuch der Rekonstruktion wird sichtbar, dass Luhmann nicht angibt, was das Ganze ist, um die fehlenden Informationen zu identifizieren. Auch wenn jeder Mensch sein eigenes kohärentes Weltbild verwendet, kann davon angegangen werden, dass Luhmann eine Vorhersage über die Zukunft annahm.

Eine Prognose würde uns Sicherheit geben, wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass die prognostizierte Wirkung auch tatsächlich eintrat.

Abbildung: Die Prognose gibt uns Sicherheit über die Zukunft

Lässt sich die Zukunft berechnen?

Für den weiteren Diskurs wird angenommen, es gäbe eine angemessene Logik und gute Algorithmen, mit denen eine verlässliche Vorhersage der Zukunft bestimmt werden könnte.

Tatsächlich ist nur für bestimmte Themen, wie das Wetter, eine Logik bekannt und es sind Algorithmen programmiert, die eine ausreichende Prognosegüte erlauben. Die Logik der Welt und damit die Logik des menschlichen Verhalten sind weitgehend unbekannt.

Die Emotionslogik ist noch nicht in die Labore der Ingenieure vorgedrungen.

Nur die Annahme über eine existierende Logik, die mit bestimmten Informationen eine sichere Prognose treffen kann, erlaubt die Aussage, dass fehlende Informationen das Ergebnis unsicher machen.

Wenn als Information die Gesamtkosten des geplanten Hauses nicht bekannt sind, weil eine denkmalgeschützte Sanierung der Fassade vorgenommen werden muss und der Abwasserkanal durch unbekannte Bodenbeschaffenheit neu verlegt werden muss, fehlen Informationen, die die Kalkulation unbekannt machen. Das Wortspiel unsicher und unbekannt deuten schon an, wohin die Rekonstruktion führt. Die unbekannten Gesamtkosten machen unsicher und die Angst ist zu fühlen.

Führen Information, Logik und Algorithmus zu einer sicheren Prognose?

Die Annahme, genügend Informationen seien bei vielen Themen ausreichend, ist aus weiteren Gründen nicht valide.

Herbert Spencer, Philosoph und Soziologe, verdichtete bereits Ende des 19. Jahrhunderts Darwin zu „Survival of the fittest“, was zu den fatalen Folgen im vergangenen Jahrhundert führte und heute als Leitspruch für den digitalen Transfer dient.

Jedoch ist eine einseitig formende Kraft der Natur und unserer Umgebung längst vorbei.

 

Abbildung: Zyklisch-evolutionäre Sicht erweitert darwinistische Sicht

 

Das Klima ist Natur und sie zwingt den Menschen in die Anpassung, aber diese Natur ist von Menschen gemacht, genauso wie technische Innovationen.

Das Smartphone verändert den Menschen, unsere Wirtschaft und die Gesellschaft entscheidend. Das veränderte Kommunikationsverhalten durch das Smartphone führt dazu, dass junge Menschen keine ganzen Sätze mehr schreiben und so seltener in komplexeren Gedankenzyklen denken. Evolution ist nicht mehr die Anpassung an die Natur, sondern an das vom Menschen Geschaffene.

Spencers Aussage taugte nie. Darwin hat ausgedient und es wird die Erkenntnis folgen, dass wir auf uns selbst reagieren.

Die Annahme, mit ausreichenden Informationen eine sichere Prognose zu erstellen, trifft in zyklischen Prozessen nur bedingt zu.

Der Mensch reagiert auf seine inneren Prozesse

Bei Menschen ist also eine natürliche Logik im Emotionssystem gebildet, die uns auf Unbekannt mit Angst reagieren lässt. Abhängig von unserer Erfahrung, wird sie uns bewusst oder wirkt dem Bewussten nicht zugänglich und beeinflusst die Bildung des kohärenten Weltbildes, das mit dem bewusst wahrgenommenen Objekt in Zusammenhang gebracht wird.

In unserem Kulturkreis würde das kohärente Weltbild lauten: „Dunkelfarbige Menschen machen mir Angst.“ Diese kohärenten Weltbilder können wiederum neurologische emotionale Programme bei wiederholtem Durchlauf des zyklischen Wirkprozesses bilden und verfestigen.

Angstbesetzte neuronale emotionale Programme erzeugen wiederum die angstbesetzten kognitiven Oberflächenstrukturen, die ihrerseits als eskalierende Stimuli wirken. Der Circulus vitiosus schafft sich seine eigenen neuronalen emotionalen Strukturen, die als biologische Strukturen außerordentlich robust sind und sich nicht mehr so leicht destabilisieren lassen.

Abbildung: Der Mensch reagiert auf sich selbst

 

Haben sich erst einmal die neuronalen emotionalen Programme herausgebildet, so wird das Kognitionssystem immer seltener aktiviert, und der Wirkprozess bleibt dem Bewussten schließlich weitgehend unzugänglich.

Diese Wirkungsweise des Emotionssystems ließe viele gesellschaftliche Probleme in anderem Licht erscheinen und auch andere Lösungen möglich machen.

Das Emotionssystem reagiert auf Unbekanntes mit Angst, ob wir es nun bewusst wollen oder nicht.

Digitalisierung fördert den Glauben an die Prognose

Kehren wir zurück zu Luhmann. Es sind nicht die fehlenden Informationen, sondern der Glaube, die Zukunft wäre mit ausreichend vielen Informationen vorhersagbar, die unsicher beziehungsweise Angst machen. Dieser Glaube ist jedoch genau das, was die Digitalisierung suggeriert, als könne man mit immer mehr Informationen, wie Big Data und mit anderen Logiken und Algorithmen bessere Vorhersagen der Zukunft treffen.

Gleichzeitig verändert die Digitalisierung aber die Zukunft und sorgt für disruptive, also gerade nicht vorhersagbare Veränderungen. Das ist wahrlich der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

Die Welt ist nicht mit einer rationalen Logik zu beschreiben

Der erste Satz des Zitats „Weil die Welt komplex ist, fehlen uns immer Informationen“ wiederholt die beschriebene Dynamik mit einem anderen Schwerpunkt. Zugrunde liegt jedoch wieder der Glaube, die Welt wäre zu beschreiben und vorherzusagen.

In diesem Satz wird die Komplexität der Welt als Ursache angenommen, die Informationen fehlen lässt. Tatsächlich sind es aber die rationale Logik und die Konzepte, die zur Beschreibung der Welt bisher verwendet werden, die sie komplex erscheinen lassen.

Die Darstellung eines Kreises ist mit einer Vektorgrafik mit nur vier Informationen, bestehend aus der Lage des Mittelpunktes, dem Radius, der Farbe und Linienstärke zu beschreiben.

Eine Darstellung als Rastergrafik erfordert in Abhängigkeit der Auflösung Millionen von Informationen in Form von Pixelpunkten.

Die Vergrößerung des Kreises geschieht bei der Vektorgrafik durch die Veränderung einer einzigen Information, dem Radius, und das bei gleichbleibender Schärfe.

Für die Rastergrafik müssten alle Pixelpunkte verändert werden und die Schärfe ginge dabei verloren. Die verwendete Logik hat eine enorme Auswirkung auf den Informationsbedarf, genauso wie auf das Ergebnis, zum Beispiel die Schärfe.

Gerade die Digitalisierung macht es sich zur Aufgabe, das menschliche Verhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Die Beschreibung einer materialistischen Welt ist mit der rationalen Logik und den zugehörigen Konzepten und Algorithmen durchwegs einfach, das zeigt und beweist die Digitalisierung.

So lässt sich das Phänomen der Gravitation – auch wenn wir bis heute noch nicht wissen, was sie ist – mit einer einfachen Formel beschreiben. Die daraus abgeleitete Geschwindigkeit (v), mit der ein Köper nach einer gegebenen Zeit (t) aufschlägt, kennen noch viele aus dem Physikunterricht mit der Gravitationskonstante

(g): v(t) = g*t.

Aktuelle wissenschaftliche Forschungen zeigen aber, dass die Gravitationskonstante nicht konstant ist, und was sich daraus ergeben wird, wissen wir noch nicht.

Die Welt ist nur deshalb komplex, weil wir sie mit einer rationalen Logik zu beschreiben versuchen.

Eine Emotionslogik braucht weniger Information und beschreibt das menschliche Verhalten besser

Die Welt – vor allem menschliches Verhalten, das in unserer heutigen Zeit bereits einen großen Teil der Welt ausmacht – ist nicht so komplex, wie sie scheint.

Wenn man die Emotionslogik statt einer rationalen Logik anwendet, ist die Welt einfach, und es braucht weniger Informationen, um sie zu beschreiben beziehungsweise vorherzusagen. Luhmanns Zitat wäre dann so zu lesen:

  • Menschen haben das Bedürfnis, die Zukunft vorherzusagen. Als Emotionsforscher neige ich zu der Aussage: Bewusstsein hat sich evolutionär genau aus diesem Zweck entwickelt.
  • Menschen glauben auch, sie könnten die Welt vorhersagen, und dazu sind eine Logik und zugehörige Informationen nötig. Eine bestimmte Logik erfordert spezifische Informationen.
  • Eine wenig funktionale Logik liefert eine unbekannte Prognose und dies macht unsicher.

Für eine spezifische Prognose eignen sich nur bestimmte Logiken, die wiederum die Menge und Art der nötigen Informationen bedingen als auch die Komplexität der Abbildung bestimmen sowie die Präzision der Vorhersage dominieren. Der Umfang der Informationen beziehungsweise die fehlenden Informationen sind dabei von weitaus geringerer Bedeutung, wie Luhmann es ausführt.

Digitalisierung fördert den Glauben an die Prognose

So sind Luhmanns Aussagen, auch wenn sie fragmentarisch sind, eher das, was Globalisierung und Digitalisierung verursachen, als die Kausalketten, die sie suggerieren.

Weil wir glauben, die Zukunft mit rationaler Logik voraussagen zu können, brauchen wir immer mehr Informationen. Weil weder die schiere Menge von Informationen noch die rationale Logik die Zukunft voraussagen kann, fühlen wir uns aufgrund der unbekannten Zukunft unsicher.

Die Evolution ist strukturell angelegt

Es geht im Leben nicht darum, noch mehr Informationen zu beschaffen, wenn man Angst hat. Die Angst motiviert den Menschen, für die Sicherheit zu sorgen, und das geschieht durch Handeln und nicht durch das Sammeln von Informationen.

Wenn die oben beschriebenen Versuchsgruppen frühere Begegnungen und Erfahrungen mit andersfarbigen Menschen hatten, klingt die Angstreaktion bereits innerhalb von 180 Millisekunden wieder ab, also noch vor der Bewusstseinsschwelle.

Man könnte sagen, man hatte Angst gehabt, ohne es zu merken. Emotionen werden erst bewusst, wenn sie sich in Gefühlen ausdrücken. Fühlen, das zu spüren, was wir gerade empfinden, wird dem Bewussten erst später zugänglich. In der Zeit vor dem Fühlen muss also etwas geschehen sein, dass die Sorge um Sicherheit ausgelöst hat.

Der Versuch zeigt, dass bei erfahrenen Menschen der emotionale Prozess und das Gefühl als Begleiteffekt dem Bewussten nicht zugänglich werden. Bei weniger erfahrenen Menschen läuft ein anderer innerer Prozess ab, und es erscheint das Gefühl der Unsicherheit. Sie werden vielleicht sagen: „ja, aber da sind auch andere Gefühle aktiv“. Ja natürlich, die Emotionslogik wirkt mit sieben Grundemotionen und ihren beliebig vielen Variationen bei jedem Menschen. Das bestimmt seine Individualität. Unbekanntes löst bei allen Menschen Angst aus, die sich bei manchen Menschen durch ein Gefühl bewusst ausdrückt.

Schlangenflüsterer empfinden wenig Angstgefühl, jedoch sind sie sehr achtsam.

Für „unerfahrene“ Menschen bleibt als Übergangslösung die Kognition, die bewusst den Transfer mit einer Denkleistung herbeiführen kann.

Neu Denken

Voraussetzung für Neu Denken wäre das Denken in einer Emotionslogik, wie es in diesem Beitrag geschah. Mit Neu Denken entstünde zum einen für alle Menschen die selbstbestimmte Wahl anhand der emotionalen Motive zu entscheiden und zu handeln.

Zum anderen bekämen die Architekten der Digitalisierung Design-Vorgaben, wie mit einer menschlichen Logik und den zyklischen Wirkprinzipien in unserer Welt eine höhere Prognosegüte erreicht würde, die unterstützend für unser Handeln und Gestaltung wäre.

Dafür brauchen alle Menschen ein solides Wissen über die zyklisch-evolutionären Wirkprinzipien in unseren Entscheidungssystemen. Auf der Grundlage eines solchen Wissens können dann bestimmte Prozesse frühzeitig erkannt werden. Achtsamkeitstechniken eignen sich gleichermaßen für die Erkennung der Wirkprozesse, wie sie auch für die Regulierung verwendet werden können. Wird die Emotionslogik berücksichtigt, kann der Mensch wieder in das klare rationale Kalkül zurückkehren.

Die Herausforderung besteht heute darin, diese sich gegenseitig beeinflussenden Prozesse zu erkennen und in unser Denken und unsere Entscheidungen einzubeziehen. Das heißt, wir müssen Zyklen erkennen und selber zyklisch-evolutionär denken. Diese offene Art zu denken muss auch Grundlage unserer Entscheidungsprozesse werden, in der Gruppe, in Unternehmen und in der Gesellschaft.

Eine erfolgreiche Transformation der Welt erfordert ein Verständnis und eine Orientierung an der Untrennbarkeit der Entscheidungssysteme.

»Weil die Welt komplex ist, fehlen uns immer Informationen. Weil Informationen fehlen, sind wir immer unsicher.«
Weil wir daran glauben, die Zukunft wäre mit rationaler Logik vorauszusagen, brauchen wir immer mehr Informationen. Die Emotionslogik und die darauf basierenden Algorithmen für auf sich selbst bezogene Prozesse erfordern bei rationalen Analysen enorme Informationen und das führt zu einer zunehmend unsicheren Prognose.
Weil weder die schiere Menge von Informationen noch die rationale Logik die Zukunft voraussagen können, wird die Zukunftsprognose immer unsicherer.
Wir reagieren auf uns selbst und sind deshalb unsicher, weil wir mit einer unbekannten Zukunft konfrontiert sind.
Die Zukunft wird von Menschen gestaltet. Damit liegt das größere Potenzial weniger in ihrer Vorhersage denn in der Gestaltung der Zukunft.