355-7 Wie Commitments hergestellt werden

Commitment

Commitment bedeutet die selbst gefühlte Verpflichtung, die eigenen Fähigkeiten einzusetzen, um ein Ziel zu erreichen. Häufig wird das Commitment verweigert, weil andere Themen wichtiger sind. Das heißt: Commitment kann ohne Priorisierung nicht gelöst werden.

Menschen geben ihr Commitment, wenn sie selbst vom Erfolg und der Tragfähigkeit der Unternehmung überzeugt sind. Ein Commitment-Prozess muss folglich die notwendigen Maßnahmen integrieren, die für den Erfolg die Voraussetzung sind.

Der Commitment-Prozess bindet die Teilnehmer zu 100% ein. Durch die KiE-Skala gelingt es, dass sich alle in wenigen Sekunden äußern und einen offenen Standpunkt einnehmen. Unterschiedliche Bewertungen werden gleich zu Beginn sichtbar und durch die Mitwirkung aller einer gemeinsamen konstruktiven Lösung zugeführt.

Mit dem Commitment-Prozess entsteht ein selbstorganisierter Prozess, der eine Kultur von Offenheit, Verbindlichkeit, Ehrlichkeit, Sicherheit und gemeinsam getragenen Commitments wachsen lässt.

In einem vorbereitenden Schritt wird die Qualität des Entscheidungsbedarfs hergestellt und Voraussetzungen wie Governance, Kooperation und Prämissen sichergestellt.

Danach kann in 5 Schritten ein Commitment hergestellt werden.

Zuerst wird das Verständnnis überprüft und gegebenenfalls durch einen Güteprozess hergestellt. Niemand committed sich, wenn nicht klar ist, um was es geht.

Danach wird sofort ohne Diskussion ein erstes Commitment ermittelt und im Erfolgsfall ist man bereits im Ziel. Häufig sind viele Themen klar und werden von allen getragen. Für diese Themen wird ein Commitment ohne zeitraubende Selbstdarstellung und Diskussionen erreicht.

Wenn dies nicht gelingt, hat man bereits eine offene Bewertung und alle können sehen, wie weit sie von einem Commitment entfernt sind.

Im dritten Schritt werden erfolgsverhindernde Risiken identifiziert. Hier sind die Bedenkenträger, als Experten für Risiken, gefordert. Die Risiken und Vorbehalte werden ohne Diskussion eingesammelt.

Im vierten Schritt werden die Maßnahmen erarbeitet, um allen Vorbehalten – im Rahmen der Prämisse – entgegenzuwirken. Kritisieren reicht hier nicht. Die Bedenkenträger als Experten sind erneut gefordert, um mit allen in einem geordneten Prozess die Vorbehalte in Maßnahmen zu transformieren.

Die Reihenfolge dieser beiden Schritte ist essentiell, da der menschliche Entscheidungsprozess zuerst die Sorge um Sicherheit und anschließend eine kraftvolle Einflussnahme, um die Chancen zu nutzen, vorgibt. Weicht man von dieser Reihenfolge ab, kommt es zu kalibrierten emotionalen Schleifen, die zu langatmigen und ausufernden Diskussionen führen, und die gefürchtete Gruppendynamik nimmt ihren Lauf.

Das finale Commitment im fünften Schritt ist dann nur noch ein formaler Akt, wenn die Schritte vorher ordentlich durchgeführt worden sind. Als Ergebnis ist eine Entscheidung hergestellt, die von allen getragen wird und in die Umsetzungsphase als Erfolgsfaktor hineinwirkt.

Die Erfahrung, in einem sicheren Prozess ein offenes Commitment zu erreichen, führt zu einem tiefen Verständnis bei allen Beteiligten.

Im Commitment-Prozess wird auf Augenhöhe zusammengearbeitet und es entsteht selbstorganisiert und selbstwirksam eine Kultur von Vertrauen, Offenheit und Ownership.

Menschen erhalten eine Chance, es gut zu machen.

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Mai 2022, Richard Graf und Elsa Graf

„Leadership by Team-DMM (Decision-Making Management) sowie
Team-Leading by DMM.“ Richard Graf

Quelle

Graf, Richard (2018). Die neue Entscheidungskultur: mit gemeinsam getragenen Entscheidungen zum Erfolg. München: Carl Hanser Verlag GmbH Co KG.

Graf, Richard (2019). Wie Commitments hergestellt werden. Abgerufen am 12. Mai 2022, von https://www.youtube.com/watch?v=AitfhLYXaGs&list=PLHokUn86RyeE6GournwYg06TIgbLFcSeH&index=6&ab_channel=RichardGraf

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