s221 Der menschliche Entscheidungsprozess ist die Design-Vorgabe für KiE-DecisionMaking

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Die Entscheidung als Wahl zwischen mindestens zwei Möglichkeiten ist allgemein gültig und irreführend zugleich. Irreführend, weil die Wahl zwischen zwei oder mehreren Optionen eine Priorisierung darstellen würde.

Eine Entscheidung im engeren Sinne bedeutet, eine Handlung für oder gegen eine Option zu initiieren. Bei KiE-DecisionMaking nennen wir diese Art der Entscheidung – um sie von der Priorisierung zu unterscheiden – Commitment.  

Tatsächlich umfasst die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten diese Optionen:
1. das Ergebnis des Emotionssystems (1) mit der Intuition und
2. das Ergebnis des Kognitionssystems (2)

Priorisieren und Entscheidung

Dabei ist bemerkenswert, dass der zweite Bewertungszyklus (2) bereits das Ergebnis der emotiv-kognitiven Zyklen enthält. Die bewusste Entscheidung (3) ist somit die letzte emotiv-kognitive Entscheidung, die durch das Emotionssystem als stimmig bewertet wurde. 

Das Dilemma der Entscheidungsfindung ist bereits in der Benennung verankert. Die Kunst der guten Entscheidung besteht darin, die emotiv-kognitiven Zyklen und die Prozesshaftigkeit von Entscheiden zu erkennen. Eine Entscheidung finden oder treffen würde suggerieren, sie wäre bereits vorhanden. Tatsächlich wird eine individuelle Entscheidung in Zyklen herbeigeführt. Dieser Bauplan kann sowohl für individuelle als auch für Team-Entscheidungen Anwendung finden. Deshalb wurde für die Kunst der Entscheidung der Begriff DecisionMaking gewählt, weil er das Machen, das aktive Herbeiführen, sowie den prozesshaften Charakter enthält. Die Wahl sowie der Konflikt zwischen Kopf (Kognition) oder Bauch (Intuition) erscheinen somit als ein natürliches Merkmal des menschlichen Entscheidungsprozesses.

Die Logik der Emotionen wirkt immer, in jeder Entscheidung, weil das Emotionssystem als erstes durchlaufen wird. Somit ist das Emotionssystem Ursprung und Ende jeglichen Denkens.

Die emotiv-kognitive Entscheidung

Die vorläufigen Ergebnisse der emotiv-kognitiven Zyklen – manifest in einem kohärenten Weltbild – werden zur bewussten Entscheidung, wenn die Zyklen unterbrochen beziehungsweise beendet und in eine Handlung überführt werden.

Emotiv-kognitive Zyklen zwischen Emotions- und Kognitionssystem werden meist mehrfach durchlaufen, um aus vorläufigen Entscheidungen eine bewusste Entscheidung herbeizuführen. Bei zu wenigen Durchläufen ist eine Entscheidung leichtfertig, bei zu vielen kommt man ins Grübeln und manchmal nie zu einer Entscheidung. Zieht man die Handlung und Wirkung als Bestandteil der Entscheidung mit ein, ist zu erkennen, dass die bewusste Entscheidung nur eine vorläufige ist. Im kohärenten Weltbild kann die vorgestellte Wirkung angepasst werden. In späteren Zyklen kann anhand der tatsächlich eingetretenen Wirkung die Entscheidung korrigiert werden.    

Entschied man sich für oder gegen etwas, gelang es, das Emotions- und Kognitionssystem in emotiv-kognitiven Zyklen in ein kohärentes Weltbild zusammenzuführen. Dadurch ist die „Scheidung“ beziehungsweise Trennung aufgehoben.

Eine bewusste Entscheidung ist herbeigeführt, wenn eine „vorläufige“ Entscheidung durch das Emotionssystem final als stimmig empfunden wird. So endet der Zyklus natürlich.

Für die bewusste Entscheidung gilt allgemein, die Kognition wäre dominant beziehungsweise sie wäre besonders bewusst gewählt. Tatsächlich aber wird sie dadurch bewusst, dass die Kognition vom Emotionssystem aktiviert wurde. 

Gelingt die „Ent“-scheidung“ auch in mehreren emotiv-kognitiven Zyklen nicht, bleiben folgende Wege:

  • eine bisher „gedachte“ Entscheidung wird ausgewählt, auch wenn sie vom Gefühl der Unstimmigkeit begleitet wird
  • ein neuer Input für das Kognitions- sowie Emotionssystem wird gefunden, der zu einer günstigen Bewertung des Emotionssystems führt
  • eine Begründung wird konstruiert, die einer der Entscheidungsoptionen ein besseres Gefühl gibt
  • der Zyklus wird unterbrochen und in einem Ideation-Prozess wird versucht, eine stimmigere Option zu finden

Wird die „vorläufige“ Entscheidung nicht weiterverfolgt, was ebenfalls mit einem unangenehmen Gefühl einhergehen kann, ist die bewusste Entscheidung herbeigeführt, nichts zu tun.

Die bewusste Entscheidung verdient erst dann wirklich die Bezeichnung „bewusst“, wenn die Intuition als Ergebnis des Emotionssystems bewusst integriert wurde.  Geschähe dies mit individuellen und Team-Entscheidungsprozessen, wäre tatsächlich ein Schritt in Richtung Bewusstsein und bewusstes Entscheiden und Handeln getan.

Alle individuellen Entscheidungen werden aus demselben natürlichen Entscheidungsprozess hervorgebracht.

Die emotionale Erregung färbt die Entscheidungsformen

Die emotionale Erregung wirkt als wesentliche Größe in den unterschiedlichen Entscheidungsformen. Mit ihr lässt sich eine erste Kategorisierung für die einzelnen Formen erstellen.

In der Artikelreihe DecisionMaking werden die einzelnen Entscheidungsformen in Beiträgen vorgestellt.

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Februar 2020, Richard Graf und Elsa Graf

„Der menschliche Entscheidungsprozess ist der Bauplan für alle Entscheidungsformen.“
Richard Graf

„Menschen machen Entscheidungen und Entscheidungen machen Menschen.“ Prof. Harmut Schröder

Quelle

GRAF, Richard. Die neue Entscheidungskultur: Mit gemeinsam getragenen Entscheidungen zum Erfolg. Carl Hanser Verlag München 2018.

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