Bericht über die Petersberger Trainertage

Die neue Entscheidungskultur – vor Publikum live erläutert

Von Mareike Boom

„Führungskräfte brauchen Entscheidungswerkzeuge, die alle Verantwortlichen zu 100% beteiligen und befähigen, ihre Kompetenzen einzubringen“, so Richard Graf, Emotionsforscher und Business Coach, während seines Vortrags bei den Petersberger Trainertagen im April 2018 in Bonn. „Ohne normierte und akzeptierte Bewertung sowie ohne einen Commitment-Prozess, der eine gemeinsam getragene Entscheidung und Umsetzung herstellt, sind die Herausforderungen nur schwerlich zu bewältigen.“

 

Richard Graf bei den Petersberger Trainertagen in Bonn
Foto: Lucas Heinz - managerSeminare

Wie der digitale Transfer gelingt

Heute sind immer mehr Personen an den Entscheidungsprozessen über die Grenzen von Fachbereichen hinweg beteiligt. Die Folge ist, dass Meetings zu lange dauern, Menschen aneinander vorbeireden, ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen oder nur die Meinungsstarken Gehör finden. In einem klaren Prozess werden alle eingebunden. Es entsteht eine Brücke zwischen der agilen und der tradierten Welt, über die der digitale Transfer gelingt.

Wie funktioniert das? Für den gemeinsam getragenen Aufbau des agilen Mindsets ist Voraussetzung, dass die Maßnahme als wichtig erachtet wird. Der Moderator, der Master of K-i-E, formuliert die Bewertung mit einer Leitfrage, etwa „Wie wichtig ist der agile Mindset für den digitalen Transfer?“. Die zehnstufige K-i-E Skala mit dem funktionalen Bedeutungsbereich rechts erzeugt automatisch eine normierte und von allen akzeptierte Bewertung. Diejenigen, die mit den Zahlen 1 bis 5 bewerten, sind überzeugt, dass es keine Aktivitäten zum Aufbau eines agilen Mindsets braucht. Die mit 6 oder 7 bewerten, brauchen noch Maßnahmen oder Informationen, und diejenigen, die mit 8 bis 10 abgestimmt haben, sind überzeugt, dass der agile Mindset ein wichtiger Erfolgsfaktor ist (siehe Abbildung).

Diese Bewertung kann haptisch mit den K-i-E Karten durchgeführt werden oder mit der K-i-E App über das Mobiltelefon. Auch liegt bereits eine Cloud-Lösung, der K-i-E Decision Maker, vor, mit einer Auswahl von wohl formulierten Leitfragen für den, der durch den Prozess führt. Das Charmante bei der Software-Lösung besteht darin, dass sie ortsunabhängig durchgeführt werden kann und Experten, die oft nicht vor Ort sind, elegant in den Entscheidungsprozess eingebunden werden können. Bedenkenträger können nicht mehr blockieren und bringen ihr Wissen aus der Risikovermeidung ein. Erfolgserzwinger können nicht mehr dominieren und ihre Umsetzkompetenz wird an geeigneter Stelle in den Prozess eingebunden. Die autoritäre Entscheidung ist, sofern erforderlich, immer noch möglich.

Werkzeuge für den unternehmerischen Alltag

Im jüngst erschienenen Buch von Richard Graf, „Die neue Entscheidungskultur“, sind der Aufbau und die Anwendung der K-i-E Skala – mit vielen Beispielen für die Praxis – ausführlich erklärt. Darüber hinaus werden der Güteprozess, der Commitment-Prozess (siehe Abbildung links) und der Priorisierungsprozess vorgestellt – drei von zehn Werkzeugen –, mit denen Führungskräfte die Bandbreite des unternehmerischen Alltags souverän gestalten. Der sichere Gebrauch der K-i-E Skala ist dafür Voraussetzung. Diese Werkzeuge sind Ergebnis der Entdeckung, dass Problem und Lösung denselben Ursprung haben. Graf zeigte, wie souverän dabei auch vom Trend abweichende Meinungen gehört und aufgenommen werden.

Woran liegt es, dass sich diese Werkzeuge so kongenial für jede Art von Entscheidung eignen? „Sie bauen auf der Untrennbarkeit der Entscheidungssysteme auf“, erklärte Graf, „sie berücksichtigen, dass es die rein rationale Entscheidung nicht gibt und dass das Emotionssystem immer Einfluss nimmt.“ Denn Probleme sind Lösungen der dysfunktionalen Verarbeitung des Emotionssystems, die aus der Untrennbarkeit der Entscheidungssysteme evolutionär vorgegeben ist. Genauso erzeugt das funktionale Zusammenwirken der Untrennbarkeit die bewusste Lösung für unternehmerische Fragen. „Die Werkzeuge binden die Kognition, die Intuition und die Emotionen, kurz K-i-E genannt, aller in einem vom Master of K-i-E und später vom Team selbst geführten Prozess sicher ein.“

Geeignet für tradierte Strukturen und agile Bereiche

Darüber hinaus eignen sich diese Entscheidungswerkzeuge gleichermaßen für tradierte Führungsstrukturen wie für agile Bereiche und besonders gut für deren Schnittstellen. „Viele anerkannte, erfolgreiche Unternehmen ahnen die Herausforderungen der Digitalisierung und wollen heute den Trend zur Agilität in ihrer Umgebung umsetzen. Die alten Führungsstile – von heroisch bis partizipativ – reichen dafür nicht aus. Das wirkliche Potenzial der agilen Methoden wird erst durch die K-i-E Tools voll ausgeschöpft, weil sie die unterschiedlichen Fähigkeiten aller Beteiligten zum Tragen bringen und zu gemeinsam getragenen Entscheidungen führen.“

Dass es Graf gelang, die Grundpfeiler der neuen Entscheidungskultur überzeugend darzustellen, zeigten die zahlreichen Besuche am Messestand, wo sich die Teilnehmer in den Gebrauch der K-i-E Skala einführen ließen und eine Vorstellung vom Potenzial der K-i-E Entscheidungswerkzeuge erhielten.

Ein offenes Seminar an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main am 19. und 20. Oktober 2018 bildet zum Master of K-i-E aus.

Das Emotionssystem ist Ursprung und Ende jeglichen Denkens. Neues Denken mit bewusster Emotionslogik erweitert sowohl die menschliche wie die Künstliche Intelligenz.

Kommentare
  • Laura
    Antworten

    Die Session von Herrn Graf über die neue Entscheidungskultur war äußerst spannend.
    Er hat es geschafft in der Kürze der Zeit die Hauptthesen seines umfangreichen Buches vorzustellen, dass ich voller Begeisterung gelesen habe.
    Die Petersberger Trainertage standen unter dem Motto New work, new culture, new life. Mit dem K-i-E Konzept, das für Kognition – Intuition – Emotion steht, ist es meiner Meinung nach möglich tatsächlich etwas Neues zu schaffen und eine neue Kultur durch die Prozesse entstehen zu lassen.
    Am Anfang ist man ein wenig abgeschreckt, da es sehr prozesshaft ist, aber sich in einem Rahmen zu bewegen, der einem Sicherheit gibt, macht das Zusammenarbeiten sehr viel einfacher und schöner.
    Ich habe selbst bereits mit der K-i-E Skala im Team gearbeitet und bin begeistert davon, wie schnell und einfach man zu einer gemeinsamen Entscheidung kommt, wo normalerweise alles totdiskutiert wird und am Ende die Person autoritär entscheider, die am lautesten schreit.

    Mich würde noch interessieren, wie die K-i-E Skala entstanden ist? Warum genau eine 10-er Skala? Was spricht gegen eine Mitte? Sie erwähnten im Vortrag, dass es die Verlustaversion abbildet, könnten sie das noch einmal kurz erklären?

    Vielen Dank und ganz herzliche Grüße

    • Richard Graf
      Antworten

      Einer jeden Entscheidung geht eine Bewertung voraus, sei sie nun bewusst oder dem Bewussten nicht zugänglich getroffen. Gute Entscheidungen können in angemessener Zeit hergestellt werden, wenn dafür eine normierte und akzeptierte Bewertung verwendet wird.
      In der K-i-E Skala sind alle Merkmale vereinigt, damit man mit einer einzigen Skala auskommt.
      Frage 1: Wie die K-i-E Skala entstanden ist?
      Antwort 1: Wir haben in etwa 100 Projekten mit Team-Größen von 2 bis 12 Team-Mitgliedern mit unterschiedlichen Skalen experimentiert. Daraus entstand die K-i-E Skala.

      • Richard Graf
        Antworten

        Frage 2: Warum genau eine 10-er Skala?
        Antwort 2: Weil die 10er-Skala die besten Ergebnisse liefert.

        • Richard Graf
          Antworten

          Frage 3: Was spricht gegen eine Mitte?
          Antwort 3: Nachdem wir die 10er-Skala als diejenige identifizierten, die die besten Ergebnisse erreichte, begannen wir, die Theorie zu erarbeiten.
          Eine Skala mit einer Mitte würde erlauben, dass man sich nicht entscheiden muss. Das hätte viele weitere negative Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse.
          Wichtiger jedoch ist, dass das Emotionssystem ein Überlebenssystem ist. Ein Nicht-Entscheiden würde evolutionär den Tod bedeuten. Die Intuition – als Ergebnis der Emotionslogik – würde kein valides Ergebnis bei einer Skala mit einer Mitte liefern. Da die K-i-E Intuition aber eine wesentliche Entscheidungsinstanz ist, braucht es für gute Entscheidungen eine Skala ohne Mitte.
          Damit wurde uns klar, warum die 10er-Skala so gute Ergebnisse erreicht. Die 2er und 4er Skalen sind zu grob. Die 6er-Skala ist aus der Schule kontaminiert und wie die 8er-Skala nicht differenziert genug, um die Verlustaversion sowie die unterschiedlichen K-i-E Skalentypen abzubilden.
          So bekamen Aristoteles und letztendlich auch die K-i-E Theorie recht: „Wir benutzen unseren Intellekt nur dafür, um unsere bereits getroffenen Entscheidungen im Nachhinein zu begründen.“

          • Richard Graf

            Frage 4: Erklärung der Verlustaversion und wie sie abgebildet wird
            Antwort 4: Menschen neigen dazu, der Risiko-Vermeidung mehr Gewicht zu geben als der Chancen-Suche und -Nutzung. Die Angst mit dem Motiv der Sorge um Sicherheit wird in der Emotionssequenz als erste im Emotionssystem aktiviert und ist maßgeblich für die Verlustaversion verantwortlich. Dieses Verhalten ist ein Aspekt der evolutionär vorgegebenen Grundemotion Angst, die in allen Menschen wirkt, und somit ist sie keine kognitive Entscheidung.
            Individuelle neuronale emotionale Programme können dafür sorgen, dass Menschen trotzdem mehr die Chancen suchen als Risiken zu vermeiden. Damit ist zu erklären, warum Menschen sich so vielfältig verhalten.
            Abgebildet wird die Verlustaversion auf der K-i-E Skala, indem der entsprechende Bereich bei allen K-i-E Skalentypen immer größer ist.
            Ihr Richard Graf

  • PTT2018TN
    Antworten

    Es war faszinierend zu hören und zu erfahren, dass die Untrennbarkeit unserer Entscheidungssysteme Kognition und Emotion all unsere Handlungen dominiert und dass unsere Emotionen einen so großen Einfluss auf unsere Entscheidungen haben – ob wir wollen oder nicht.

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