s260 Die Intuition ist eine bewusste Entscheidung – schnell, garantiert und präzise

KiE: „Ignoriere niemals Deine Intuition, jedoch folge ihr auch nicht blind.“ RICHARD GRAF

Die Intuition zeigt sich bei fast allen Menschen in gleicher Art und Weise: sie ist schnell, sie erscheint mühelos und man braucht sie nicht aufzufordern. Wie sie entsteht und mit welcher Logik sie ermittelt wird, ist dem Bewussten nicht zugänglich, jedoch teilt sich die Intuition mit einem bewussten Impuls mit, den jeder wahrnehmen kann.

Die Intuition durch KiE erklärt
Abbildung01: Die Intuition erscheint bei allen Menschen gleich

In meinen Vorlesungen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), der Goethe-Universität Frankfurt am Main, am INeKO-Institut an der Universität zu Köln sowie bei freien Workshops und in Unternehmen haben 4.000 Teilnehmer die Intuition übereinstimmend verortet: schnell mit 91%, mühelos mit 95%, unaufgefordert mit 96% sowie 78% als unbewusst.

Die Korrekturen (rote Pfeile) ergeben sich aus der individuellen Interpretation der Intuition. In allen Workshops verwechseln einige Teilnehmer den zeitlich späteren Widerspruch im Entscheidungsprozess mit dem früheren Impuls aus der Intuition. Die Spaltung zwischen Kopf oder Bauch (Intuition) und Lösung in Gedankenzyklen empfinden Menschen in der Folge als anstrengend und langsam. Konzentrierten sich die Teilnehmer auf den ersten Impuls, wird die Intuition als schnell und mühelos erkannt. Die relativ niedrige Signifikanz von 78%, wie weit die Intuition bewusst sei, rührt erfahrungsgemäß aus der unscharfen Fragestellung zwischen dem Impuls der Intuition selbst und der Logik, wie sie entsteht. Viele beziehen ihre Antwort auf die kognitiven Folgeprozesse, bei dem sie ein kohärentes Weltbild erstellen.

Tatsächlich haben einige Teilnehmer Zugang zum Ursprung der Intuition: der Logik der Emotionen, und wissen, warum die Intuition so entschied. Die Merkmale, die jeder Menschen introspektiv wahrnimmt, decken sich mit den Erkenntnissen des dazugehörigen Emotionssystems.

Was ist die Intuition?

Die Intuition ist das Ergebnis des Emotionssystems. Diverse Studien von Wissenschaftlern (Darwin 1859, Kornhuber und Deecke 1964, Libet 1983, LeDoux 2000, Klein 2003, Damásio 2013, Kahneman 2011, Feldman Barrett 2020) haben das Emotionssystem und seine neurologischen Areale als schnell, mühelos (das Emotionssystem ist dem Bewussten nicht zugänglich) und unaufgefordert (im Emotionssystem ist keine bewusste Instanz vorhanden) vermessen.  

KiE: Die Intuition als Ergebnis des Emotionssystems
Abbildung02: Die Intuition ist das Ergebnis des Emotionssystems

Die Intuition entsteht aus der Bewegung

Das Emotionssystem hat sich evolutionär als Bewegungssystem entwickelt und produziert einen Bewegungsimpuls, der beim Autopiloten (siehe unten emotive Entscheidung) in einer direkten Bewegung ausgeführt wird. Die Intuition ist somit eine Entscheidung, die auf der Logik der Emotionen beruht, aus die neurobiologisch gesehen eine Bewegung gebildet wird. 

KiE: Grundemotionen Angst und Ärger
Abbildung03: Die Struktur der Grundemotionen Angst und Ärger

Woran ist die Intuition trennscharf zu erkennen?

Die Intuition kann sehr einfach an zwei Kriterien trennscharf erkannt werden. Zum einen an dem klar wahrzunehmenden Bewegungsimpuls („No-go“ bzw. „Go“), der kognitiv als „Ja“ bzw.  „Nein“ interpretiert wird. Zum anderen unterscheidet die Geschwindigkeit von circa 350 Millisekunden (Libet 1983) die intuitive Entscheidung von allen anderen menschlichen Entscheidungsformen.

Die Intuition kann in der Untrennbarkeit zwischen Emotionen, Intuition und Kognition, der KiE-Trilogie, wahrgenommen werden, noch bevor das bewusste kohärente Weltbild aufgebaut wird. 

KiE: Die Intuition in der KiE-Trilogie
Abbildung04: Die Intuition in der KiE-Trilogie

In einem Zeitfenster von knapp einer Sekunde (Libet 300 bis 550 Millisekunden) kann der Impuls der Intuition trennscharf wahrgenommen werden, bevor im emotiv-kognitiven Zyklus das bewusste kohärente Weltbild zusammengeführt wird.

Unabhängig von ihrer inhaltlichen Bedeutung und Qualität für die aktuelle Situation (externaler Stimulus) stellt die Intuition eine sehr verlässliche und vor allem sehr schnelle Entscheidung dar. Sie ist leider sehr eingeschränkt in ihren Ausdrucksmöglichkeiten mit Nein“ und „Ja“. Aufgrund der Logik der Emotionen, ist das „Nein“ (No-go) früher wahrzunehmen, weil in der Emotionssequenz die Angst evolutionär mit der Starre zuerst gebildet wurde.

Ein zentrales Merkmal der intuitiven Entscheidung ist deutlich zu erkennen. Sie ist nicht zu begründen. Eine Begründung als kohärentes Weltbild ist noch nicht erstellt. Eine Begründung würde emotiv-kognitive Zyklen erzwingen und man könnte die Bedeutung der Intuition nicht mehr einschätzen.

Kann die Erklärung der Intuition so einfach sein?

Ja, sie muss aus meiner Sicht so einfach sein. Etwas so Umfassendes und Wirkungsvolles kann nur einfach sein. Wäre Intuition komplex, hätte analytisches Vorgehen sie längst entzaubert. Die Intuition, die bisher so wenig greifbar und so unendlich vielfältig war, ist mit der Untrennbarkeit der Entscheidungssysteme einfach zu beschreiben. Die Konsequenzen jedoch sind unüberschaubar und wichtige Fragen werden einfach zu beantworten sein. Da wir alle ein Emotionssystem besitzen, verfügt jeder über eine Intuition. Es ist somit keine Frage mehr, ob Menschen den bewussten Gebrauch der Intuition lernen können, sondern nur noch wie. Die Intuition ist evolutionär in neuronalen Strukturen angelegt, damit steht sie jedem Menschen zur Verfügung. Wenn sie erscheint, kann sie nur noch ignoriert oder abgelehnt werden.

Jedoch kann die Wahrnehmung für eine feine Differenzierung trainiert werden. Vor allem kann das Selbstverständnis zur bewussten Nutzung der Intuition gelernt werden und damit die Integration in praxiserprobte DecisionMaking-Tools.

Die Qualität der intuitiven Entscheidung

Wenn zum einen die Kognition als auch die Intuition sowohl unbefriedigende als auch angemessene Ergebnisse zeigen, ist die Frage, was nun besser sei, nicht mehr zielführend.

Unabhängig von der inhaltlichen Qualität schränkt die geringe Differenzierung mit „Nein“ und „Ja“ die Anwendbarkeit enorm ein. Wie häufig wurde der berechtigte Einwand „nein, ich glaube nicht an den Projekterfolg, jedoch kann ich (noch) nicht sagen, warum“ zurückgewiesen, um im Nachhinein als Rechtfertigung „ich habe es doch gewusst“ und Entschuldigung beim Scheitern zu dienen.  

Für die einen steht die Intuition als die pure Unvernunft und für andere gehört sie zum normalen Handwerkszeug, wie bereits bei Plato (428 -348 v. Chr.). René Descartes (1596 bis 1650), der Begründer des modernen neufrühzeitlichen Rationalismus, verstand die Intuition als „müheloses und deutlich bestimmtes Begreifen des aufmerksamen Geistes“. Baruch de Spinoza (1632 bis 1677) erhob die Intuition zur höchsten von drei Erkenntnisarten. Später wurde die Intuition aus vielen Wissenschaften eliminiert und erhielt in der aktuellen Diskussion um Entscheidungen in Unsicherheit, den Cognitive Biases, sowie der Bauchentscheidung eine neue Bedeutung.

Die Qualität der durch die Intuition hervorgerufenen Entscheidung entsteht maßgeblich aus dem Stimulus, der emotionalen Erregung und vor allem aus dem sogenannten „emotionalen Erfahrungsgedächtnis“, was in der KiE-Trilogie als neuronale emotionale Programme (neP) korrigiert wird.

Die Dynamik im Zusammenwirken dieser drei Dimensionen, die selbst wieder eine hohe Dynamik aufweisen, lassen die Intuition so komplex erscheinen. So weisen nicht nur die Emotionen (neP) einen funktionalen und zwei dysfunktionale Bereiche auf, sondern auch das sogenannte Erfahrungswissen, wenn man es kognitiv beurteilt:

KiE: Wirkung des Erfahrungswissens
Abbildung05: Wirkung des Erfahrungswissens

Werden die Eingabeparameter beim externalen Stimulus und die emotionale Erregung stabil gehalten, liefert die Intuition weitgehend wiederholbare Entscheidungen. Da sich das kohärente Weltbild in den emotiv-kognitiven Zyklen immerwährend neu bildet und sowohl external der Stimulus als auch das kohärente Weltbild die emotionale Erregung beeinflussen, ist die Intuition vermeintlich so schwer zu greifen.

Wie man die Qualität beeinflusst

Um die Intuition sinnvoll als bewusste Entscheidung zu nutzen, ist zuerst das Wissen über die KiE-Trilogie und ihre Wirkungsweisen aufzubauen, damit alle drei Parameter wohlgeformt werden. Für die emotionale Erregung stehen eine Vielzahl von Achtsamkeits- und Regulierungsmethoden zur Verfügung. Die externalen und internalen Stimuli können klar, fokussiert und wiederholbar gestaltet werden. Die KiE-Skala verrichtet für diese Anforderungen hervorragende Dienste. (Mehr Information zur KiE-Skala in der Artikelreihe DecisionMaking-Tools). Das emotionale Erfahrungsgedächtnis, das nicht den rationalen und kognitiven Vorstellungen entspricht, ist ein weites Feld.

Die aktuell favorisierten Ansätze, die Intuition für spezielle Situationen wie etwa Entscheidungen unter Unsicherheit zu nutzen, sind nachvollziehbar, zeigen jedoch einen begrenzter Einsatz, wenn man zugrundelegt, dass die Intuition immer und verlässlich entscheidet.   

DecisionMaking-Prozesse, welche die Intuition strukturell und als separates Tool mit einbinden, sind individuell wie im Team eine sehr konkrete und konstruktive Vorgehensweise, die alle drei Einflussgrößen günstig beeinflusst.

Bedeutung für die tradierte Welt sowie für den Agile-Way-of-Working

Die Intuition allein ist für die heutige Welt, evolutionär gesehen, nicht unbedingt die beste Entscheidungsform, jedoch ist sie die wichtigste, weil sie in jeder Entscheidung wirkt, unabhängig ob wir sie wahrnehmen oder nicht. Aus diesem einfachen Grund sollte die intuitive Entscheidung für Entscheider und Teams in DecisionMaking-Prozesse integriert werden.

Eine besondere Bedeutung erhält die Intuition im Agile-Way-of-Working, wenn Teams offen, fokussiert bei 100% Beteiligung auf Augenhöhe miteinander zusammenarbeiten. Im Zusammenwirken mit den DecisionMaking-Prozessen, in die die Intuition integriert ist, wird das Potenzial der agilen Methoden voll ausgeschöpft, indem sie gleichermaßen Geschwindigkeit, Qualität und Zusammenarbeit der Agile Events und Artefacts fördern, damit Menschen die Chance erhalten, es gut zu machen.

Die intuitive Entscheidung sollte, eingebunden in praxisnahe DecisionMaking-Tools, zum Handwerkszeug von Entscheidern erlernt und genutzt werden.

KiE: Bedeutung der Intuition für die tradierte Welt und den Agile-Way-of-Working
Abbildung06: Bedeutung der Intuition für die tradierte Welt und den Agile-Way-of-Working

Was die Intuition nicht ist

Empfindest Du ein Gefühl, das über den körperlichen Impuls hinausgeht oder drängt sich bereits die Sequenz von Erklärung, Begründung oder gar Rechtfertigung auf, bist Du bereits in der Kognition sowie in weiteren emotiv-kognitiven Zyklen. Die Intuition wird damit verschleiert und als bewusste Entscheidungsform entwertet.

Verstärkt wird dieser Effekt durch die emotiv-kognitiven Zyklen, die in wenigen Sekunden im nächsten Zyklus mit dem externalen Stimulus und dem kohärenten Weltbild als interner Stimulus ein neues Ergebnis erzeugen. Diese Eigenschaft der KiE-Trilogie, verbunden mit den emotiv-kognitiven Zyklen, erklärt die über Jahrtausende geführte Diskussion der Intuition in allen Kulturkreisen.

Einfach gesagt, hörst Du eine Stimme, drängt sich eine Erklärung auf, zeigt sich eine Erinnerung oder Vision sowie ein sonstiger bewusster Ausdruck bist Du in der Kognition und nicht mehr in der Intuition.

Die intuitive Entscheidung basiert nicht auf Heuristiken und ist als bewusster Ersatz für die Intuition ungeeignet. Heuristiken sollten als das gesehen werden, was sie sind, eine kognitive Entscheidung nach einfachen Regeln, die ihre Rolle in der Entscheidungsdiskussion berechtigt einnehmen.

Die intuitive Entscheidung ist jedoch nicht zu begründen. Sobald ein kohärentes Weltbild erstellt wurde, handelt es sich um eine emotiv-kognitive Entscheidung (siehe Artikelreihe). Das kohärente Weltbild ist selten wahr, aber immer stimmig, im Sinne, dass die Ergebnisse aus dem Emotions- und Kognitionssystem zusammengefügt wurden. Passt der Impuls aus dem Emotionssystem mit der Wahrnehmung und Vorstellung nicht zusammen, hat die Begründung oft nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Diese Inkongruenz kann vielfältige Ursachen aus der fehlenden Passung haben: zum Autopiloten, zur vorgestellten sowie wahrgenommenen Wirkung, zu den eigenen Gefühlen sowie zum Körperfeedback.

KiE: Die Begründung entsteht aus fehlender Passung
Abbildung07: Die Begründung entsteht aus fehlender Passung

(siehe Beitrag 272 Wie wir entscheiden, wahrnehmen, denken und handeln, muss neu geschrieben werden)

Wie ist die Intuition zum Bauchgefühl abzugrenzen?

Die Diskussion über das Bauchgefühl (Gigerenzer 2015) ist hoffähig geworden und wird in der individuellen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Diskussion mehr und mehr akzeptiert. Die Bauchentscheidung ist im Wesentlichen der Intuition gleichzusetzen. Nur sollte man Vorsicht walten lassen beim Bauchgefühl, wenn ein Gefühl wahrgenommen wird, sind wahrscheinlich schon emotiv-kognitiven Zyklen durchlaufen.

Die Intuition erscheint bei niedriger emotionaler Erregung ohne Gefühl. Das Gefühl als Begleiteffekt wird bei emotionaler Erregung stärker und die Intuition ist ab einer emotionalen Erregung von (5) nicht mehr zu gebrauchen. 

KiE: Traue Deiner Intuition bei hoher emotionaler Erregung nicht
Abbildung08: Traue Deiner Intuition bei hoher emotionaler Erregung nicht

Die Neurowissenschaften haben sich dieser Entscheidungsform angenommen, und es ist zu hoffen, dass die Ent-Mystifizierung dieser wertvollen Entscheidungsform weiter fortschreitet.

Wie sind Kreativität und Visionen einzuordnen

Im allgemeinen Sprachgebrauch, jedoch auch in den Kognitionswissenschaften sowie im philosophischen und spirituellen Rahmen, gilt die Intuition als Quelle für Ideen, Kreativität und Visionen.

Hierbei ist anzumerken, dass ein Resultat der Intuition wie ein Einfall, eine Eingebung, implizites Wissen, eine Vision, eine Innenschau, ein Geistesblitz oder eine Idee bereits wieder ein bewusst im Kognitionssystem verarbeitetes Ergebnis, das kohärente Weltbild, ist.

In diesem Rahmen beansprucht und verdient die Intuition diese herausgehobene Position. Dieser Beitrag hat den Fokus auf menschliche Entscheidungsformen. Ideation und Kreativität sind in der klassischen Wertschöpfung dem DecisionMaking vorgelagert, in der die Intuition mit emotiv-kognitiven Zyklen eine zentrale Rolle einnimmt. Die intuitive Entscheidung aus diesem Grunde einzugrenzen würde ihr Potenzial mindern, wie es Henry Poincaré (29. April 1854 bis 1912) formulierte: „Durch Logik beweisen wir etwas, aber durch Intuition entdecken wir etwas.“

Sie als individuelle Wahrheit zu betrachten, gibt ihr eine zu große Bedeutung für die konstruktivistische Sichtweise unserer Zeit.

Die spirituelle Bedeutung als göttliche Wirklichkeit und spirituelle Erfahrung wird in diesem Beitrag nicht diskutiert.

Warum wir der Intuition nicht blind folgen und sie nicht ignorieren sollten

Warum man der intuitiven Entscheidung nicht blind folgen sollte, ist offensichtlich. Ihr Ursprung und ihre Abhängigkeit und Anfälligkeit bezüglich Erfahrungswissen und emotionaler Erregung erfordert die Einbettung in DecisionMaking-Prozesse. Wir können der Intuition nur folgen, wenn wir sie bewusst wahrnehmen, was nur in wenigen Prozent der Fall ist.

Gleichermaßen gilt, wir sollten sie nicht ignorieren, weil die intuitive Entscheidung über herausragende Qualitäten verfügt, die wir bewusst nutzen sollten: sie ist schnell, garantiert und trennscharf. Wichtiger jedoch ist, die Intuition wirkt in jeder Entscheidung, unabhängig davon, ob sie bewusst wahrgenommen wird oder nicht.

Der wichtigste Grund jedoch ist die Tatsache, dass die Intuition bei der überwiegenden Mehrheit unserer Entscheidungen, der emotiven Entscheidung mit über 90%, dem Bewussten nicht zugänglich wirkt. Beim Autopiloten nehmen wir sie nicht wahr, jedoch können wir in der seltenen Situation, in der wir die intuitive Entscheidung wahrnehmen, ihre Qualität erkennen und sie entsprechend formen, damit sie für die Majorität unserer Entscheidung, den Autopiloten in die Richtung führt, die für uns und unser Umfeld angemessen ist.

Auch hier sind DecisionMaking-Prozesse für die bewusste Nutzung als auch für die Formung der Intuition die beste Wahl.

Die intuitive Entscheidung ist eine bewusste Entscheidung

Wahrnehmen ist ein kognitiver Vorgang und somit ist die Intuition bei den bewussten Entscheidungen einzuordnen. Jeder Mensch verfügt unabhängig vom Geschlecht, vom Alter und Position über diese verlässliche und bewusste Entscheidungsform. Entgegen landläufiger Meinung verfügen Frauen nicht über eine stärkere Intuition, jedoch nutzen sie sie natürlicher. Ihre Qualität ist unzählige Male in der Menschheitsgeschichte polarisierend diskutiert worden und kann und sollte nicht mit rationaler Logik beschrieben werden. Aus welcher Logik die intuitive Entscheidung herbeigeführt wird, kann weder mit rationaler oder kognitiver Begründung erklärt oder bewertet werden. Ein Vergleich mit der rationalen Entscheidung, die häufig als Gegenspieler herangezogen wird, ist theoretischer und nicht menschlicher Natur, da die rationale Entscheidung nicht als menschliche Entscheidungsform existiert (siehe unten in der Artikelserie).

Die intuitive Entscheidung sollte als das gesehen werden, was sie ist, eine autonome Entscheidung aus dem Emotionssystem, die bewusst wahrzunehmen ist. Wie mithilfe des wahrnehmbaren Impulses und des begleitenden Emotionsgefühls die dahinterliegende Logik der Emotionen entschlüsselt werden kann, erfordert das Wissen über die Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition, der KiE-Trilogie.

Durch diese Untrennbarkeit wirkt die Intuition in jeder Entscheidung und sollte jeden Entscheider und vor allem agile Teams verpflichten, die Intuition in Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Menschliche Entscheidungsformen und DecisionMaking

Alle individuellen Entscheidungen werden aus der KiE-Trilogie, dem natürlichen menschlichen Entscheidungsprozess, hervorgebracht. Die Logik der Emotionen wirkt immer, in jeder Entscheidungsform, weil das Emotionssystem als erstes durchlaufen wird. Somit ist das Emotionssystem Ursprung und Ende jeglichen Denkens. Die emotiv-kognitiven Zyklen werden maßgeblich vom emotionalen Arousal beeinflusst und erscheinen in 13 verschiedenen menschlichen Entscheidungsformen.

KiE: Abbildung09: Die menschlichen Entscheidungsformen
Abbildung09: Die menschlichen Entscheidungsformen

Die Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition, die KiE-Trilogie, dient Graf als Design-Vorgabe für praxisorientierte DecisionMaking-Prozesse, die Individuen sowie Teams erlauben, gute Entscheidungen sicher und zeitnah herbeizuführen. K-i-E sowie die normierenden Werkzeuge werden in einem zyklischen Prozess mit Individuen sowie in Teams verfeinert und verfestigt. 

Mehr zur Artikelreihe menschliche Entscheidungsformen

Weitere Beiträge über die unterschiedlichen menschlichen Entscheidungsformen findest Du nach den Quellen unten bei Schlagworte „Artikelreihe menschliche Entscheidungsformen“.

Mehr zur Artikelreihe Künstliche Intelligenz

Weitere Beiträge über künstliche Intelligenz und wie diese mit KiE erweitert werden kann findest Du nach den Quellen unten bei Schlagworte „Künstliche Intelligenz“.

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April 2020, Richard Graf, Elsa Graf

Ignoriere niemals Deine Intuition, jedoch folge ihr auch nicht blind.” Richard Graf

Quellen

Barrett, Lisa Feldman. How emotions are made: The secret life of the brain. Houghton Mifflin Harcourt, 2017.

Ciompi, Luc: Die emotionalen Grundlagen des Denkens – Entwurf einer fraktalen Affektlogik. Vandenhoeck & Ruprecht, 2016

Cosmides, Leda, and John Tooby. Evolutionary psychology and the emotions. Handbook of emotions 2.2 (2000)

Damásio, Antonio R.: Descartes’ Irrtum: Fühlen – Denken und das menschliche Gehirn, List, 1994

Damásio, Antonio, and Gil B. Carvalho. The nature of feelings: evolutionary and neurobiological origins. Nature reviews neuroscience 14.2 (2013): 143-152.

Darwin, Charles. On the origin of species by means of natural selection, or. The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, London (1859).

Darwin, Charles: The Expression of the Emotions, John Murry, London, 1872, Page 38

Feldman Barrett, Lisa; Satpute, Ajay B.: Historical pitfalls and new directions in the neuroscience of emotion, Lisa Feldman Barrett a,b,∗, Ajay B. Satpute, Neuroscience Letter (2017)

Gigerenzer, Gerd. Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft 2 (2013): 147-151.

Graf, Richard. Die neue Entscheidungskultur: Mit gemeinsam getragenen Entscheidungen zum Erfolg. Carl Hanser Verlag München 2018.

Joseph E. LeDoux: The Emotional Brain, Simon and Schuster, New York (1996)

Kahneman, Daniel: Thinking, fast and slow. Macmillan, 2011.

Klein, Gary: The Power of Intuition, Random House, 2003

Kornhuber, Hans Helmut; Deecke, Lüder (1964): Hirnpotentialänderungen beim Menschen vor und nach Willkürbewegungen, dargestellt mit Magnetbandspeicherung und Rückwärtsanalyse. In: Pflügers Arch. 281, 1964, S. 52

LeDoux, Joseph E.: Emotion circuits in the brain. Annual review of neuroscience 23.1 (2000): 155-184.

Libet, Benjamin, et al. Time of conscious intention to act in relation to onset of cerebral activity (readiness-potential). Neurophysiology of Consciousness. Birkhäuser, Boston, MA, 1983. 249-268.

Nick Chatter: The mind is flat: the illusion of mental depth and the improvised mind. Penguin UK, 2018.

Simon, A. Herbert: Administrative Behavior. A Study of Decision-making Processes in Administrative Organization…. Macmillan, 1965

Zsambok, Caroline E.; Klein, Gary:  Naturalistic decision making. Psychology Press, 2014

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