s252 Die irrationale Entscheidung ist eine emotiv-kognitive Entscheidung

Jede menschliche Entscheidung ist irrational

Die irrationale Entscheidung ist der Normalfall der menschlichen Entscheidung. Ihren Namen erhielt sie von griechischen Philosophen wie Aristoteles. Die menschliche Entscheidung wirkt irrational, wenn sie von einer als rational angenommenen Entscheidung abweicht beziehungsweise ihr widerspricht. Behavioral Economics identifiziert die irrationale Entscheidung häufig in Abweichung zu statistischen Wahrscheinlichkeiten.

Strenggenommen ist somit jede Entscheidung irrational, weil die rationale Entscheidung nicht existiert. Die Begründung, die sie im weiteren Sinne rational machen würde, würde jedoch ebenfalls aus emotiv-kognitiven Zyklen entstehen.

Die irrationale Entscheidung
Figure 01: Die irrationale Entscheidung

Alle Entscheidungen sind emotiv-kognitiv

Die irrationale Entscheidung als etwas zu beschreiben, was etwas anderem widerspricht, war schon immer unglücklich gewählt und hat über die Jahrhunderte zu vielen Verwerfungen geführt. Seit wenigen Jahrzehnten ist es nicht mehr zu ignorieren, dass die rationale Entscheidung nicht existiert. Mit diesem Wissen ist es nicht mehr sinnvoll, die irrationale Entscheidung als etwas zu definieren, dass etwas anderem widerspricht, was nicht existiert. Um der Unkenntnis und den Verwerfungen aus dem Weg zu gehen, sollte sie als das bezeichnet werden, was sie ist: eine emotiv-kognitive Entscheidung.

Diese sich erst langsam durchsetzende Konsequenz, dass alle menschlichen Entscheidungen emotiv-kognitiv sind, scheint die zentrale Ursache zu sein, warum sich viele Menschen unter allen Umständen von der rationalen Entscheidung nicht verabschieden wollen, können oder dürfen.

Künstlicher Intelligenz fehlt dadurch das tragfähige Design

Die aufkommende Künstliche Intelligenz steht hier vor einer Mammut-Aufgabe. Zum einen stecken in den bisherigen KI-Algorithmen noch immer die rationalen Ansätze. Zum anderen ist die emotiv-kognitive Entscheidung noch nicht tradiert. Als Konsequenz haben die KI-Architekten und Ingenieure noch keine Chance, die neuen Erkenntnisse in KI zu implementieren. Die aufgeregte Diskussion und vielfältigen Prognosen über KI, die letztendlich auf einem nicht tragfähigen Konzept aufsetzen, sind daher wenig sinnvoll.

Emotionen wirken in jeder menschlichen Entscheidung      

Die Logik der Emotionen wirkt bei der irrationalen wie in jeder anderen Entscheidungsform. Die emotionale Erregung und die Entscheidung selbst sowie die sie manchmal begleitenden Gefühle zeigen an, wie stark die Logik der Emotionen wirkt. Ist die emotionale Erregung gering oder kann das Emotionssystem die Situation bewältigen, werden keine Gefühle wahrgenommen.

Treten bei geringer emotionaler Erregung (Arousal) trotzdem Abweichungen zu rationalen Betrachtungsweisen auf, spricht man von kognitiver Dissonanz sowie mit dem Aufkommen von Behavioral Economics von kognitiven Verzerrungen (Cognitive Biases). Beides zeigt nur die Logik der Emotionen an.

Die irrationale Entscheidung
Figure 02: Die irrationale Entscheidung in Abgrenzung zur nicht existierenden rationalen Entscheidung

Die irrationale Entscheidung in Abgrenzung zur nicht-existierenden rationalen Entscheidung sollte gänzlich aufgegeben werden. Der Name emotiv-kognitive Entscheidung würde konsequent ihren Ursprung offenbaren.

Emotiv-kognitive Entscheidungen mit hoher emotionaler Erregung

Die emotionale sowie affekthafte Entscheidung wird allgemein als irrationale Entscheidung eingeordnet. Aus Sicht der Untrennbarkeit von Emotionen(E), Intuition(i) Und Kognition(K), der KiE-Trilogie, sind es emotiv-kognitive Entscheidungen, bei denen die Logik der Emotionen dominant bei steigendem Arousal wirkt.  

Die fehlende Einordnung der intuitiven Entscheidung, insbesondere auch des Autopiloten und der biologischen Reaktionen, innerhalb der Wissenschaften offenbart den Mangel eines akzeptierten Konzepts der menschlichen Entscheidungsformen. Mit der emotiv-kognitiven Entscheidung, die in Zyklen entsteht, erhalten alle menschlichen Entscheidungsarten ihre entsprechende Erklärung und Einordnung. 

Einfluss der emotionalen Erreegung
Abbildung 03: Der Einfluss der emotionalen Erregung

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März 2020, Richard Graf und Elsa Graf

„Eine normierte und akzeptierte Bewertung ist Voraussetzung für jede Zusammenarbeit – für agile wie tradierte Teams.“ RICHARD GRAF

Quellen:

ARIELY, Dan. Predictably irrational. New York, NY: Harper Audio, 2008.

GRAF, Richard. „Die neue Entscheidungskultur: Mit gemeinsam getragenen Entscheidungen zum Erfolg“. Carl Hanser Verlag München 2018.

KAHNEMAN, Daniel. Thinking, fast and slow (Kindle Edition). 2011.

MANIFESTO, Agile. Agile manifesto. available in http://www. agilemanifesto.org, 2001.

PÖPPEL, Ernst. Zum Entscheiden geboren. Hirnforschung für Manager, München, 2008.

REICHHELD, Frederick F. The one number you need to grow. Harvard business review, 2003, 81. Jg., Nr. 12, S. 46-55.

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