Comment01DE – Wie Framing mit unseren Entscheidungen spielt

Sprache ist ein Ergebnis der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition und erscheint im bewusst zugänglichen kohärenten Weltbild.
So war Noam Chomsky mit dem Verständnis von Sprache als Oberflächenstruktur bereits nahe an der Quelle.

Abbildung01: Sprache als bewusste Oberflächenstruktur nach Noam Chomsky

Sprache ist jedoch viel mehr, sie ist externaler sowie internaler sensorischer Stimulus für das Emotions- und gleichermaßen für das Kognitionssystem. Das zyklische Zusammenwirken von Emotions- und Kognitionssystem erklärt, dass sich Framing-Effekte verändern, metaphorisch „abnutzen“, deren Grund jedoch ganz konkret in der Neuroplastizität des Emotionssystems zu finden ist.

So ist es nicht verwunderlich, dass die ARD eine polarisierende Diskussion um Framing mit ihrer Auftragsarbeit an die Linguistin Elisabeth Wehling auslöste. Die Wahl ihrer Worte und ihrer Sprache zeigt schon in ihrem Buchtitel „Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht“, dass sie der Kognition viel Gewicht gibt und welchen Frame sie auslösen will.

 

Framing entsteht aus dem Zusammenwirken von Emotions- und Kognitionssystem

Framing jedoch, wie Sprache selbst, kann aus dem Zusammenwirken von Emotions- und Kognitionssystem und den daraus folgenden Denkprozessen verstanden und erklärt werden.

Wenn Christian Honey vermeintliches Wissen aus zehn verschiedenen Wissenschaftsbereichen aneinanderreiht, wird offensichtlich:

  1. die Erklärung der Framing-Effekte ist nicht in einer Wissenschaft zu finden
  2. die Framing-Effekte sind etwas zutiefst Menschliches, mit dem sich viele Disziplinen beschäftigen.

Honey zitiert diese Wissenschaften, ohne Unterdisziplinen, in seinem Beitrag „Wie mächtig Framing wirklich ist“ in spektrum.de: Soziologie, Psychologie, Medienwissenschaften, Politologie, Behavioral Economics, Kognitionswissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Sprachwissenschaften, Medizin und Philosophie.
Framing selbst ist Sprache

Über Framing lässt sich vortrefflich schreiben, wie es auch Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung in seinem Beitrag „Sire, geben Sie Begriffsfreiheit!“ auf eloquente Art und Weise gelingt, wenn er Metaphern wie die erwähnten Wissenschaften aneinanderreiht, dass es einem schwindelig wird.
Zitat: „Die Theorie des Framings glaubt nun, solche Sprachmanöver hätten unfehlbare, zwangsläufige Wirkung, jedenfalls wenn man sie lange und konsequent genug betreibe. Sprache wirkt, heißt das, und zwar vorrational, unbewusst, direkt über das Gehirn und seine Neuronen.“

Meinen Beitrag dazu finden Sie in der Süddeutschen Zeitung in der Ausgabe vom 5. März 2019.

 

Die Wissenschaften geben ein diffuses und widersprüchliches Bild

Adam Simson von der Yale University und Jennifer Jerit von der Florida State University weisen gegenteilige Framing-Effekte nach, wenn sie zeigen, wie sich Meinung und politische Position angleichen. Dadurch wird etwas Einfaches bestätigt: Framing als Sprache wirkt.

Der Chomsky-Schüler George Lakoff von der University of California, Berkeley, geht in seinem Buch „Moral Politics“ weiter, wenn er meint: „ein Großteil des Denkens würde unbewusst stattfinden und Urteile, inklusive moralischer Urteile, hingen von Metaphern (konzeptuellen) ab, die durch Sprache aktiviert würden“.

Ich würde mich dagegen verwehren, eine neue Metapher des „unbewussten Denkens“ einzuführen, jedoch wird offensichtlich, es gibt eine Bewertung vor dem Denken, die Denken beeinflusst.

Der Psychologe Steven Pinker von der Harvard University glaubt hingegen, Bürger seien nicht rational und wählten Fakten aus, die in ihren „Frame“ passen.

Damit landen wir bei dem, was jeder seit Jahrtausenden weiß, Menschen entscheiden nicht rational beziehungsweise faktenbasiert. Um hier auch noch Kahneman und Tversky mit den Cognitve Biases zu zitieren, sie handeln auch nicht nach statistische Wetten.

Elisabeth Wehling machte mit ihrer Auftragsarbeit für die ARD das Thema zum aktuellen Diskurs und aktivierte die Entrüstung journalistischer und politischer Kräfte. Dabei versucht sie, die Framing-Effekte einem „intelligenten Gehirn“ zuzuordnen, wie es Kognitionswissenschaftler gerne tun.

Das Gehirn mag intelligent sein, jedoch entstehen die Framing-Effekte tatsächlich aus der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition, wobei sich Intuition und Emotionen außerhalb der Kerndisziplin von Kognitionswissenschaften befinden. Emotionen und Intuition befinden sich in nahezu allen Wissenschaften außerhalb ihrer Betrachtung.

 

Was befindet sich hinter dem Wissenschafts- und Wortfeuerwerk?

Hinter diesem Wissenschafts- und Wortfeuerwerk wird offensichtlich: Framing, Cognitive Biases sowie Priming sind keine Verzerrungen. Alle drei Effekte sind Kreationsprozesse, die im Emotionssystem initiiert und durch das Kognitionssystem als Oberflächenstruktur sichtbar werden.

Der Framing-Effekt, wie alle anderen, wirkt in unseren Entscheidungen. Aber es gibt einen Ausweg, um der unbewussten Wirkung zu entgehen.

Abbildung02: Die Wirkung des Emotionssystems (Frame) wird nicht bemerkt

Die aufgeregte Diskussion um Framing-Effekte spielt sich nur auf der sprachlichen Ebene ab. Wie menschliche Entscheidungen aus der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition verarbeitet werden und welche Handlungen sie nach sich ziehen, wird in der aktuellen öffentlichen Polarisierung nicht ausgeschaut.

Abbildung03: Die Kognition ist nicht aktiv

Bei dieser Form wird anhand der Wirkung in einem weiteren Gedankenzyklus eine Erklärung für die „überraschende“ Handlung als kohärentes Weltbild erzeugt. Der unbewusste Framing-Effekt erhält eine kognitive Erklärung im Nachhinein.

Abbildung04: Die Wirkung des Emotionssystems (Frame) wird als Impuls bemerkt

Der Framing-Effekt wird nur als Impuls, als Intuition beziehungsweise Bauchgefühl, wahrgenommen. Die Entscheidung fühlt sich nicht stimmig an.

Abbildung05: Der Framing-Effekt wird bewusst erkannt

Der menschliche Entscheidungsprozess kann bewusst unterbrochen werden. Damit wird die unbewusste Wirkung des Framing-Effekts vor einer Entscheidung gestoppt. Anschließend kann mit einer Entscheidungsstrategie im mehreren Gedankenzyklen eine kognitiv überformte Entscheidung hergestellt werden.

Sprache wirkt dabei im zyklischen Zusammenwirken als externaler wie internaler Stimulus wie viele andere auch. Mit diesem Denken würde man wieder alle Wissenschaften und ihre Kämpfer auf eine Sicht vereinen. Alle Menschen, Journalisten, Politiker, Unternehmenslenker und wie auch Wissenschaftlicher, könnten ihre Kommunikation so gestalten, dass es gelingt sich mitzuteilen und alle Menschen könnten die individuellen Framing-Effekte decodieren, wenn sie ein bewusstes Erleben und Leben möchten.

 

Framing ist ein Phänomen, das die Emotionslogik erkennen lässt

Abbildung06 - Das dritte Glas passt hier nicht hin

Die jahrzehntelange Benutzung der Gläsermetapher führt zum Framing-Effekt, dass man das dritte Glas als nicht passend empfindet. Vielleicht sollten wir dem Frame von Mangel (1), erwünschter Überfluss (2) nun endlich das Stimmige (3) hinzufügen. Abgesehen von den Frames, die wir nun in gewissem Maß verhindern können, ist das Geschmacksempfinden von Wein, Bier sowie Wasser aus unterschiedlichen Größen tatsächlich für die meisten Menschen verschieden.

Beides, Framing-Effekte und Geschmacksempfinden, entspringt dem Emotionssystem.

 

Das Buch - Die neue Entscheidungskultur

Die Entdeckung der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition lieferte die wissenschaftliche Grundlage für die Entscheidungsprozesse sowie die agilen Methoden und stellte diese damit auf ein solides Fundament.

Die Entscheidungsprozesse für die Bewältigung der unternehmerischen Herausforderungen sind praxisnah für den Change zur Agilität in meinem Buch „Die neue Entscheidungskultur“, Hanser Verlag 2018, beschrieben.

 

Das Seminar - Die neue Entscheidungskultur

Frankfurt am Main - Die neue Entscheidungskultur (2 Tage) [ aktuelle Termine ]

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