Kopf oder Bauch? – So entscheiden Sie richtig

Wir sollten die Intuition nicht ignorieren, ihr aber auch nicht trauen.

Kopf oder Bauch? – So entscheiden Sie richtig

Die Frage „Kopf oder Bauch?“ ist nicht zielführend und suggeriert, wir hätten eine wirkliche Wahl.

Das Emotionssystem entscheidet bereits nach circa 350 Millisekunden (3) und initiiert in gewissen Situationen eine bewusste vorläufige Entscheidung (5), die frühestens nach circa 550 Millisekunden abgeschlossen ist. Die Intuition ist damit die erste bewusste Entscheidung, die dem Bewussten zugänglich wird. Die Verarbeitung im Emotionssystem ist dem Bewussten nicht zugänglich und so bleiben uns die Gründe für die intuitive Entscheidung verborgen.


Abbildung01: Zuerst der Bauch und dann der Kopf

Das Emotionssystem (Bauch) entscheidet zuerst. In den wenigen Fällen, in denen das Kognitionssystem (Kopf) später aktiviert wurde, wird uns die Intuition bewusst. So haben wir keine Wahl, ob Kopf oder Bauch (Intuition), da in diesen Situationen die Intuition bereits geschehen ist. Zieht man in Betracht, dass circa 93% der 20.000 Entscheidungen pro Tag ohne „Kopf“, also „unbewusst“, getroffen werden, wird die Frage „Kopf oder Bauch?“ unbedeutend.

Abbildung02: Intuition ist in allen Entscheidungen erhalten

Die Intuition wirkt im Autopiloten zu circa 93% genauso wie sie in den restlichen circa 7% unserer bewussten Entscheidung wirkt. Entgegen der vorherrschenden Meinung ist demnach die Intuition in 100% der Entscheidungen enthalten.

Nimmt die emotionale Erregung zu, so dominiert das Emotionssystem und die emotionalen Motive bewegen sich in den dysfunktionalen Bereich. Aus Achtsamkeit wird Starre und aus souveräner Einflussnahme ein unkontrolliertes Reagieren. Der Intuition, wenn sie noch bewusst wahrgenommen wird, ist genauso wenig zu trauen wie den vorläufigen Entscheidungen im Kognitionssystem. Steigt die Erregung weiter, werden Entscheidungen wie Handlungen affekthaft ausgeführt. In diesem Sinne ist der Intuition nicht zu trauen.

So entscheiden Sie richtig

Gute Entscheidungen entstehen dann, wenn Entscheidungen am menschlichen Entscheidungsprozess ausgerichtet sind. Er berücksichtigt, dass die Intuition bereits nach 350 ms als Ergebnis des Emotionssystems vorliegt und erkennt diese trennscharf. Erst dann wird in Interaktion mit der Kognition eine vorläufige Entscheidung (Kopf) geformt. Sie kann in mehreren Gedankenzyklen zu einer guten Entscheidung geformt werden. Auch hier gibt es eine souveräne Entscheidung. Sind es zu wenige Gedankenzyklen, ist es häufig eine „leichtsinnige“ Entscheidung. Werden es zu viele, so beginnt das Gedankenkarussell.
Zum Schluss, bevor man mit Entschlossenheit in die Umsetzung geht, wird die bewusste Entscheidung mit der Intuition überprüft.

 Abbildung03: Trilogie von Bauch Kopf Bauch

Gute Entscheidungen entstehen aus der Trilogie zwischen Emotions- und Kognitionssystem:

  1. Intuition (Bauch) – bewusste Wahrnehmung der unaufgeforderten Intuition
  2. Kognition (Kopf) – bewusstes Formen einer Entscheidung im Wissen über den menschlichen Entscheidungsprozess
  3. Intuition (Bauch) – bewusste Aufforderung der eigenen Intuition

Für die individuelle Entscheidungsstrategie lernen Menschen die Wirkungsweise und bewusste Nutzung der Intuition in wenigen Stunden.

Entscheidungen sind vorläufig

Bewusste Entscheidungen sind kein linearer Prozess, wie es die Wortverbindung „Entscheidungen treffen“ vermuten lässt. Entscheidungen entstehen in Gedankenzyklen. Damit sind Entscheidungen vorläufig. Der erste Zyklus ist die Untrennbarkeit zwischen Emotionen, Intuition und Kognition (I). Bei bewussten Entscheidungen wird in einem inneren Gedankenzyklus (II) eine bewusste Entscheidung geformt.

Selbst wenn sie zu einer Handlung führen, können und sollten sie anhand der entstehenden Wirkung korrigiert werden. Die erreichte Wirkung wird als äußerer Gedankenzyklus (III) wieder Stimulus für eine neue Entscheidung, die die Wirkung korrigieren sollte.

Abbildung04: Innerer und äußerer Gedankenzyklus

Wenn emotionale Motive wie Sorge um Sicherheit und Einflussnahme, um Chancen zu nutzen, weitgehend gewährleistet sind, entstehen sichere Entscheidungen und der Gedankenzyklus endet.

Die Geißel der modernen Zeit

Bei unsicheren Entscheidungen sind die emotionalen Motive nicht erfüllt. In der Folge werden Gedankenzyklen immer wieder neu entfacht, was die Ursache vieler innerer Konflikte sowie von Stress und Burnout darstellt. Genauso initiieren und befeuern sie unerquickliche Gruppendynamiken und ausufernde Meetings, die Elon Musk als „Geißel unserer Zeit“ bezeichnet.

Gute Entscheidungen

Gute Entscheidungen werden mit Entscheidungsprozessen wie der individuellen Entscheidungsstrategie hergestellt. Im Team werden gemeinsam getragenen Entscheidungen mit dem Priorisierungs- und Commitment-Prozess hergestellt. Die ersten Schritte dafür sind, die Intuition bewusst anzuwenden und zwischen Priorisieren und Entscheiden zu differenzieren.

Entscheidungen sowie Führen bedeutet im Kern priorisieren und anschließend die Entscheidung für die Auswahl zu treffen. Das gilt für autoritäre, partizipative Leader gleichermaßen wie für tradierte oder agile Teams.

Innerer Konflikte und ausufernde Gruppendynamik sowie von Stress und in der Folge Burnout sind nur fatale Symptome fehlender Entscheidungsprozesse. Diese Symptome treten erst gar nicht auf, wenn Entscheidungsprozesse angewendet werden, die am menschliche Entscheidungsprozess ausgerichtet sind.
Mit soliden Entscheidungsprozessen stellen Menschen und Teams gute Entscheidungen her und erreichen Ihre Ziele.

Von Richard Graf, November 2018

Die neue Entscheidungskultur – Das Buch

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Die K-i-E Theorie der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition liefert die wissenschaftliche Grundlage für die agilen Methoden und die Entscheidungsprozesse und stellt diese damit auf ein solides Fundament.

Die Entscheidungsprozesse für die Bewältigung der unternehmerischen Herausforderungen sind praxisnah für den Change zur Agilität in meinem Buch „Die neue Entscheidungskultur“, Hanser Verlag 2018, beschrieben.

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K-i-E DecisionMaking - von der Kunst der guten Entscheidung

Kerntätigkeit von Führung ist das Entscheiden. Ein solider Prozess erlaubt es Menschen, gute Entscheidungen nachvollziehbar und zügig herbeizuführen – das gilt sowohl für individuelle wie auch für Team-Entscheidungen. Die digitale Transformation und die Ausrichtung der Unternehmen auf agiles Arbeiten hat die Taktzahl für Entscheidungen um ein Vielfaches erhöht. Die zentrale Herausforderung für Führungskräfte und Entscheider gleichermaßen wie für agile Teams ist es, unter zunehmendem Zeitdruck mit unterschiedlichen Menschen und Fähigkeiten, widersprüchlichen Anforderungen und Vorgehensweisen, verschiedenen Denkweisen und Zielen ein produktives Ganzes zu formen.
Der DecisionMaking Prozess setzt an diesem Punkt an, in dem er es Unternehmen ermöglicht, gemeinsam getragene Entscheidungen zeitnah bei 100%iger Beteiligung sicher herbeizuführen.Entscheidungen herstellen, statt sie zu fällen oder zu treffen. Die Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition. Praxiserprobte Werkzeuge für 100% Beteiligung.

Nächster Termin: Siehe INeKO Institut an der Universität zu Köln
Ort: Köln

Das Emotionssystem ist Ursprung und Ende jeglichen Denkens. Neues Denken mit bewusster Emotionslogik erweitert die menschliche wie künstliche Intelligenz.

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