299 Wie die Intuition in Krisen wieder ein zuverlässiger Ratgeber wird

„In Krisensituationen ist die Intuition ein zwiespältiger Ratgeber.

In der Krise ist die natürliche Intuition ein zwiespältiger, meist gefährlicher Ratgeber. Sie ist in allen unseren Entscheidungen aufgrund der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition enthalten, womit wir sie weder ignorieren können noch ihr blind folgen sollten.  

Die Intuition hat viele Erscheinungsformen

Wie nennst Du den Impuls zu handeln? War das Dein Bauchgefühl, Deine Intuition oder etwas ganz anderes? Bei fast acht Milliarden Experten, den Menschen dieser Erde, ist es ein schwieriges Unterfangen über die Intuition zu diskutieren, denn auf diesem Gebiet sind wir alle kompetent.

Oft wird eine Krise als Chance oder spirituelle Erfahrung gesehen. Ohne Zweifel ist das richtig. Jedoch sollte die Intuition verstanden sein, bevor sie zu einem validen Entscheider wird.

Wir haben unterschiedliche Erfahrungen sowie eigene Meinungen, die häufig nicht mit den typischen und meist zweifelhaften Erklärungsmodellen übereinstimmen. Hinzu kommt, dass die Intuition in allen Entscheidungen wirkt. Sie ist eine eigene bewusste Entscheidungsform und wirkt zusätzlich in allen Entscheidungsformen mit.

Deshalb wird die Intuition so unterschiedlich erlebt, und es ist kein Wunder, dass Diskussionen zuweilen schwierig sind und manchmal eskalieren.

Die Intuition wirkt immer

Somit wirkt unsere Intuition vor der Krise, sie wirkt während der Krise und sie wird auch nach der Krise wirken. Somit ist es keine Frage, ob wir sie in der Krise beachten, sondern nur noch, wie wir mit ihr umgehen. Der erste Schritt ist, zu klären, was die Intuition ist.

Die Intuition ist das Prozess-Ergebnis des Emotionssystems und entsteht aus der Trilogie:

  1. externale Stimuli (Abb.01: A.1)
  2. emotionale Erregung (Abb.01: B)
  3. unsere Emotionen, die emotionalen neuronalen Programme (nePs). Die nePs umfassen die Grundemotionen, die zusammengesetzten Emotionen und aus Erfahrungen individuell geprägte nePs. (Abb.01: C)
KiE: Wie die Intuition entsteht
Abbildung 01: Wie die Intuition entsteht

In Krisensituation wirken alle Dimensionen der Trilogie kritisch

Die externalen Stimuli (Abb.01: A.1) aus den Medien überbieten sich von Vorhölle über die Apokalypse bis zu schwärzesten Dystopien, die zu ebensolchen internalen Stimuli (Abb.01: A.4) in den vorgestellten Phantasien wie zu belastenden körperlichen Feedback-Schleifen (Abb.01: B) führen.

Unbekanntes als externaler oder internaler Stimulus (Abb.01: A1 und A.4) löst Angst als neP (Abb.01: C) aus, die in die Starre bewegt. Alle nePs=Emotionen können von unangenehmen Gefühlen (Abb.01: A.4) und belastendem Körperfeedback (Abb.01: A2) begleitet werden, die die emotionale Erregung (Abb.01: B) weiter ansteigen lassen. Wir können uns nur wenig auf unsere Erfahrungen verlassen, weil wir meist wenig Krisen-Erfahrungen in unseren nePs abgebildet haben. Wenn sie vorhanden sind, sind sie durch die emotionale Erregung wenig zugänglich, beziehungsweise stark verzerrt. Mal lieben und mal hassen wir unsere Kollegin oder Partner. Unter Stress treffen wir eine andere Entscheidung, als wenn wir mit genügend Zeit einen kühlen Kopf bewahren.

Die Trilogie von Stimulus, Erregung und aktivierten nePs wirkt in allen drei Bestandteilen kritisch. In den zyklisch organisierten neurologischen Bahnen schaukelt sich die Intuition entsprechend auf. Wir tendieren dazu, unsere Fehler in der Krise zu wiederholen und Fakten nicht mit unserer Kognition zu überprüfen.

KiE: Der Teufelskreislauf und der Lösungszyklus
Abbildung 02: Der Teufelskreislauf und der Lösungszyklus

In Krisen wirkt die Intuition deutlicher

Durch die erhöhte emotionale Erregung nehmen wir die Intuition deutlicher wahr, obwohl ihre Qualität immer mehr abnimmt – ein fataler Kreislauf. Das emotionale Motiv des neP Angst führt in die Starre. Genau das Gegenteil, was wir bräuchten. In der Krisensituation müssten wir uns anpassen sowie nach neuen Lösungen suchen.

KiE: Die emotionale Erregung
Abbildung 03: Die emotionale Erregung

Wir können uns in Krisen gerade nicht auf die in unseren verdichteten Erfahrungen im Emotionssystem – unsere Intuition – verlassen. Jedoch gibt uns die Intuition deutliche, manchmal auch unangenehme und schwer auszuhaltende Impulse zu handeln. Jedoch gilt, wenn die emotionale Erregung zu hoch ist, der Intuition allein einfach nicht mehr zu trauen.

Diese Logik der Trilogie zu erkennen, wäre der sinnvolle Umgang mit der Intuition, um in eine klare Umsetzung zu finden.

Krisenerfahrene Menschen tun das „intuitiv“. Zum einen steigt ihre emotionale Erregung weniger an, sie haben funktionalere nePs und kreieren damit weniger belastende internale Stimuli.

Glaube nicht, was Du denkst

Die Intuition aus der Trilogie von Stimulus, Erregung und Wirkung der nePs=Emotionen kreiert das kohärente Weltbild (Abb.01: A.4). Diese bewusste subjektive Wahrnehmung wirkt wieder als internaler Stimulus (Abb.01: A.4) in einem zyklischen Prozess. Dieser Teufelskreislauf führt selten zu sinnvollen Gedanken und wirkt oft sehr belastend.

Verstärkt wird dieser Kreislauf, weil Begründungen und Rechtfertigungen als kohärentes Weltbild erzeugt werden, die bei anderen Menschen als externaler Stimulus wirken und Schleifen in der Interaktion auslösen können. Oft dauert es keinen Atemzug und man hat die Rechtfertigung parat, die unweigerlich ein Streitgespräch anfeuert. Mach Dir bewusst, das Emotionssystem kann nicht sprechen, fühlen oder anderweitig kommunizieren. Wenn Du eine Stimme hörst oder ein Bild siehst, ist es nicht mehr die Intuition.

In diesem Sinne glaube nicht, was Du denkst, weil es dysfunktionalen Zyklen entstammt.  

Glaube nicht, was Du fühlst

Aus den Feedback-Schleifen (Abb.01: A.2) im Körper entstehen ebenfalls Prozesse, die belastend werden und die Teufelskreise anfeuern können.

In diesem Sinne traue nicht, was Du fühlst, weil die Gefühle aus dysfunktionalen Zyklen entstanden sein können.

Ignorieren niemals Deine Intuition

Mit der ansteigenden emotionalen Erregung wird die Intuition immer deutlicher. Sie sollte als das Signal erkannt werden, den Teufelskreislauf zu unterbrechen und mit bewusstem Denken zu beginnen. Dazu wird der Kreationsprozess aus der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition bewusst gestaltet, um angemessene Entscheidungen auch in Krisen herbeizuführen.

Kognitive, intuitive und emotionale Intelligenz

Das unangenehme Gefühl, das die Intuition meist begleitet, ist das Signal, die inneren und äußeren Prozesse bewusst zu gestalten. 

Die Ressourcen-Frage ist der einfachste Weg, um der dysfunktionalen Trilogie aus Stimulus, Erregung und der Wirkung der nePs=Emotionen zu entgehen.

Der Teufelskreis, wenn „Problem Talk“ die Probleme verstärkt, kann in „Solution Talk“ umgeformt werden. Eine ressourcen-orientierte Frage „Was müsste geschehen, damit es gut ausgeht?“ erzeugt einen lösungs-orientierten Stimulus, aktiviert funktionale nePs=Emotionen und führt die emotionale Erregung wieder in einen angemessen Bereich. Daraus entstehen dann Lösungsgedanken.

Wenn die Ressourcen-Frage nicht mehr gelingt, können die Bestandteile der Trilogie direkt verändert werden:

Externale Stimuli – Lege Dein Smartphone oder Deine Zeitung beiseite und schaue aus dem Fenster oder höre Deinen Lieblingssong.

Internale Stimuli – Denke an eine schöne Situation.

Emotionale Erregung – Mache Achtsamkeitsübungen. Was immer hilft, atme einige Male bewusst ein und aus.  

nePs=Emotionen – Die emotionalen Programme=Emotionen sind biologische Synapsen-Verbindungen und bilden sich nur langsam. Sei Dir bewusst, dass sich funktionale nePs in der Krise nur schwer bilden. Sorge für ein Umfeld, in dem Du positive Erfahrungen machen kannst.

Nutze die KiE-Entscheidungsstrategie – Mache Dir bewusst, dass die Intuition weder exponentielle noch statistische Verfahren kennt. Besorge Dir für die kognitive Phase Fakten, Expertenmeinungen sowie verlässliche Aussagen. Verwende als Stimuli die Ressourcen und Fakten für die finale Phase der aufgeforderten Intuition.

Der natürliche Entscheidungsprozess ist somit auch der Weg, der Deine Intuition wieder zum verlässlichen Ratgeber macht.

KiE: Die KiE-Entscheidungsstrategie
Abbildung 04: Die KiE-Entscheidungsstrategie

Kreiere mit der KiE-Entscheidungsstrategie Deine unterstützenden emotiv-kognitiven Zyklen.

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August 2020 – Elsa Graf und Richard Graf

„In Krisensituationen ist die Intuition ein zwiespältiger Ratgeber.“ Elsa Graf

Quellen

Graf, Richard: Die neue Entscheidungskultur: mit gemeinsam getragenen Entscheidungen zum Erfolg. Carl Hanser Verlag GmbH Co KG, 2018

Bild: „Die stachelige Frau“ nach einer Idee von Richard Graf, Gemäldezyklus mit Prolog und fünf Szenen von Lea Gudrich

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