Agilität (6/13) – Wie Entscheidungsprozesse agile Methoden stärken

Agile Methoden bieten im Kern einen Rahmen (Framework). Dieser regelt die Prozessschritte, die zu erstellenden Arbeitsstände sowie die Rollen. Es wird jedoch nicht vorgegeben, wie die einzelnen Aufgaben und die darin enthaltenen Entscheidungsprozesse sinnvoll auszuführen sind. Ergänzt man agile Methoden mit wirksamen Entscheidungsprozessen, schöpft man ihr Potenzial aus und erreicht sicher gute Ergebnisse.

Fehlende Operationalisierung in Scrum und die Konsequenzen

Die agilen Methoden liefern keine Operationalisierung, wie man ein Commitment herstellt oder eine Priorisierung vornimmt, um sich zu einigen, was in einer Time-Box gemacht wird und was nicht. Ohne Entscheidungsprozesse sind die agilen Methoden in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt, und ihr Potenzial wird nicht ausgeschöpft.

Scrum als eine agile Methode ist im Grunde selbst ein Entscheidungsprozess, eine Priorisierung, die aus dem Product Backlog die Stories auswählt, die im nächsten Sprint umgesetzt werden. Als Konsequenz wird ein Commitment hergestellt, welche Stories im Product Backlog verbleiben und nicht umgesetzt werden.
Diese grundlegende Sicht fehlt in der momentanen erhitzten Diskussion um New Work, New Culture und New Life.

Abbildung: Scrum hat keine Operationalisierung

In der unternehmerischen Wirklichkeit zeigt sich dann in der Praxis, dass das agile Vorgehen alleine weder automatisch bessere Ergebnisse erzeugt, noch die Entwicklungsprozesse nachhaltig beschleunigt.

Als Konsequenz werden Agilität und agile Methoden entwertet. Wären die agilen Methoden nicht so wertvoll für junge Menschen sowie für Unternehmen, könnte man der Abwertung applaudieren und den Trauermarsch anstimmen.

Entscheidungsprozesse für agile Methoden

Erst die Einbettung der agilen Methoden in ein funktionales Entscheidungsmanagement erlaubt, das wirkliche Potenzial auszuschöpfen. Die Begrenzung auf 5 bis 7 Team-Mitglieder grenzt eine ausufernde Gruppendynamik meist ein. Scrum gibt mit den Ceremonies sowohl Dauer und Ergebnis vor.

Im Sprint Planning legen das Development Team, der Scrum Master und der Product Owner fest, welche Stories im Sprint umgesetzt werden. Dafür werden folgende Entscheidungsprozesse benötigt: Bewertung, individuelle Entscheidung, Güte, Priorisierung, Commitment und Ressourcen-Frage. Im Vorfeld muss der Product Owner bereits die Stories priorisiert und mit angemessener Güte beschrieben haben.

Genauso erfordern die Ceremonies wie Daily Stand-up, Sprint Review, Retrospective, Refinement Entscheidungsprozesse, damit sie sicher gute Ergebnisse herstellen und eine ausufernde Gruppendynamik eindämmen. Tradierte Entscheidungsvorgänge sind dazu nur bedingt geeignet.

Die K-i-E Skala – Ein universelles Bewertungssystem

Grundlage aller Ceremonies für sichere und schnelle, sowohl für individuelle wie für Team-Entscheidungen ist eine normierte und akzeptierte Bewertung. Die K-i-E Skala erlaubt eine schnelle und präzise Bewertung als Voraussetzung für eine klare Entscheidung. Ihre Flexibilität macht sie zu einem universellen, akzeptierten und normierten Bewertungssystem für alle Ceremonies und Entscheidungsprozesse.

Der innere Aufbau der K-i-E Skala eignet sich, um den wenig differenzierten Impuls aus der Intuition präzise abzubilden. Diese Eigenschaft bildet die kongeniale Brücke, um Intuition und Kognition in eine einzige Entscheidungsstrategie zusammenzuführen. Ihre Transparenz öffnet den Weg, um die Gruppenkompetenz zu nutzen.

 

Die K-i-E Intuition – Die Intelligenz der Intuition bewusst nutzen

Die natürliche Intuition, über die jeder Mensch verfügt, wird zur K-i-E Intuition, wenn sie durch die K-i-E Skala einen normierten und trennscharfen Ausdruck bekommt. Mit der K-i-E Intuition wird das Expertenwissen aller blitzschnell bewusst abrufbar, um für alle Ceremonies und Artefacts eine erste stimmige individuelle Entscheidung zu treffen.

 

Die K-i-E Entscheidungsstrategie – sicher entscheiden

Mit der individuellen Entscheidungsstrategie entscheiden agile Teammitglieder sowie Scrum Master und Product Owner schnell und sicher. Der verzerrende Einfluss des Emotionssystems wird reduziert und die bewusste Nutzung der Intuition integriert. Jeder weiß – in der tradierten wie agilen Welt – welche Mängel individuelle Entscheidungen haben. Aus diesem Grunde sind weitere Entscheidungsprozesse für Scrum zwingend nötig, damit die Aufgaben gelingen und die Gruppenkompetenz integriert wird.

 

Der Güteprozess – Gemeinsam akzeptierte Qualität für alle Artefacts

Alle Artefacts wie die Stories im Product wie im Sprint Backlog werden unter angemessenem Ressourceneinsatz in angemessener Qualität erstellt. Dabei wird die Qualität bereits in frühen Phasen hergestellt, wodurch spätere Probleme und Aufwände begrenzt werden.

Mit dem Güteprozess entsteht ein selbstorganisierter Prozess, der die Prozessbeteiligten befähigt, die Qualität selbstbestimmt herzustellen.

 

Der Commitment-Prozess für gemeinsam getragene Entscheidungen

Identifikation und Loyalität zum Ziel sind der wesentliche Erfolgsfaktor für alle Ceremonies schlechthin. Der Commitment-Prozess bindet alle Teilnehmer zu 100% ein. Der Prozess forciert, dass sich alle äußern und einen bewertbaren Standpunkt einnehmen. Divergierende Sichtweisen werden gleich zu Beginn sichtbar und durch Beteiligung und Mitwirkung aller einer gemeinsamen konstruktiven Lösung zugeführt.

Vorbehalte, Risiken und verborgene Konflikte werden in frühen Phasen identifiziert. In späteren Projekt-Phasen würden sie Aufwandsteigerungen und Verzögerungen verursachen, nachdem bereits erhebliche Investments getätigt wurden. Dieser Situation wird bereits vor dem Beginn eines Vorhabens entgegengewirkt und die erfolgsichernden Maßnahmen werden gemeinsam erarbeitet. Die Wirkung in der anschließenden Umsetzung ist zentral für den Erfolg.

 

Der Priorisierungsprozess – Gemeinsam getragene Auswahl und Reihenfolge von Themen
Mit dem Priorisierungsprozess wird die Kernfrage – Was wird im Sprint umgesetzt und was wird nicht getan? – mit dem Development Team, dem Scrum Master und dem Product Owner gemeinsam gelöst. Die zu bearbeitenden Themen werden anschließend vom Development Team in eine Reihenfolge gebracht.

Für jeden Sprint konkurrieren diverse Stories um die begrenzten Ressourcen an Zeit, Budget, Kompetenzen, Fokus und Umsetzungskapazitäten. Mit dem Priorisierungsprozess wird das Ziel erreicht, eine gemeinsam getragene Auswahl von Anforderungen in einem gegebenen Zeitrahmen zu finden.

 

Die K-i-E Ressourcen-Frage – Der integrative Weg zur Lösung

Die Ressourcen-Frage stößt ein klares Vorgehen an, das die notwendigen Maßnahmen aktiviert, damit Erfolg möglich wird. Sie ist damit ein Grundbaustein für alle Ceremonies und Artefacts. Die Beteiligten werden in die Pflicht genommen, ihren Beitrag für eine Lösung einzubringen. Statt zu kritisieren, das Problem zu beleuchten oder sich in Ursachenforschung zu ergehen, wird der Rückblick vermieden.

Stattdessen wird stringent die Kompetenz gefordert, und es zeigt sich rasch, was und wie viel für den Erfolg nötig ist.
Dadurch verkürzen sich Diskussionen um Faktoren. Es werden brauchbare Maßnahmen erarbeitet und als Begleiteffekt wird sichtbar, wie unterstützend sich jemand verhält.

 

Der Briefing-Prozess für eine gelungene Delegation

Mit dem Briefing-Prozess stellt man sicher, dass man von internen und externen Teams das erhält, was man selbst braucht, um ein gutes Gesamtergebnis zu erstellen. Voraussetzung für den Briefing-Prozess: eine normierte Bewertung mit der K-i-E Skala, die Ressourcen-Frage, Güte-, Commitment- und Priorisierungsprozess sowie das Motivationsdreieck.

 

Mit diesem Set an Entscheidungsprozessen lassen sich alle Ceremonies und Aretfacts in Scrum operationalisieren sowie die Prozesse zwischen tradierten und agilen Bereichen erfolgreich gestalten und leben.

Die fehlende Operationalisierung gilt genauso für Design Thinking, Kanban, Lean Coffee und die anderen agilen Methoden.

Werden die agilen Methoden mit Entscheidungsprozessen gestärkt, befähigen sie die Teammitglieder zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe und sorgen für die notwendige Handlungsfreiheit, um die Vorhaben selbstorganisiert und selbstverantwortlich umzusetzen.

Von Richard Graf in Zusammenarbeit mit Laura Graf

Die neue Entscheidungskultur – Das Buch

Die K-i-E Theorie der Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition liefert die wissenschaftliche Grundlage für die agilen Methoden und die Entscheidungsprozesse und stellt diese damit auf ein solides Fundament.

Die Entscheidungsprozesse für die Bewältigung der unternehmerischen Herausforderungen sind praxisnah für den Change zur Agilität in meinem Buch „Die neue Entscheidungskultur“, Hanser Verlag 2018, beschrieben.

Mehr auf meiner Homepage www.k-i-e.com

Agilität erfordert Entscheidungsprozesse 01/02
Agilität erfordert Entscheidungsprozesse 02/02

Die neue Entscheidungskultur – Das Seminar (2 Tage)

Entscheidungen herstellen, statt sie zu fällen oder zu treffen. Die Untrennbarkeit von Emotionen, Intuition und Kognition. Praxiserprobte Werkzeuge für 100% Beteiligung.

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Das Emotionssystem ist Ursprung und Ende jeglichen Denkens. Neues Denken mit bewusster Emotionslogik erweitert die menschliche wie künstliche Intelligenz.

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Agilität erfordert Entscheidungsprozesse

Agile Leadership ist ein Widerspruch in sich selbst

Reihe:

  1. Wie der agile Change gelingt (18.09.2018)
  2. Ausrichtung am Geschäftsprozess und der Wertschöpfung (25.09.2018)
  3. Warum Entscheidungen so wichtig sind (2.10.2018)
  4. 5 Schritte zur Einführung agiler Methoden (9.10.2018)
  5. Ist Agilität ohne agile Methoden erreichbar? (16.10.2018)
  6. Wie Entscheidungsprozesse agile Methoden stärken (23.10.2018)
  7. Was macht agile Methoden so erfolgreich?(Plan: 30.10.2018)
  8. Entscheidungsprozesse stellen eine neue Entscheidungskultur her (Plan: 6.11.2018)
  9. Kalibrierte emotionale Schleifen (13.11.2018)
  10. Entscheidungsprozesse lösen das Führungsdilemma (20.11.2018)
  11. Die fehlende Unterstützung ist selbstgemacht (27.11.2018)
  12. Die unternehmerische Wirklichkeit (4.12.2018)
  13. Mit Entscheidungsmanagement gelingt der agile Change (11.12.2018)

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